Türkei nimmt Neffen von Prediger Gülen fest

Der türkische Präsident Erdogan bleibt trotz der Festnahme eines Verwandten Gülens aus dessen Auslieferung bestehen. Spätestens in zehn Tagen sollen erforderliche Akten vorliegen.

Fethulla Gülen lebt derzeit in den USA. (Foto: Screenshot Youtube)

Fethulla Gülen lebt derzeit in den USA. (Foto: Screenshot Youtube)

Türkische Behörden haben nach dem Putschversuch einem Medienbericht zufolge einen Neffen des islamischen Predigers Fethullah Gülen festgenommen. Muhammed Sait Gülen sei in der nordöstlichen Stadt Erzurum in Gewahrsam genommen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht den in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Gülen selbst weist die Anschuldigungen zurück. Die Türkei verlangt von den USA seine Auslieferung.

Nach den Worten von Außenminister Mevlüt Cavusoglu wird die Türkei in spätestens zehn Tagen Akten zusammengetragen haben, mit dem das Auslieferungsersuchen an die USA begründet werden soll. Die Verbindung zwischen Gülens Netzwerk und den am Putschversuch beteiligten Soldaten sei klar, sagte Cavusoglu im Fernsehen. Die Türkei werde daher alle politischen und rechtlichen Maßnahmen ergreifen, um Gülens Auslieferung zu erreichen.

Erdogan geht unterdessen massiv gegen die Anhänger Gülens vor. Zehntausenden Lehrern wurden die Lehrerlaubnis entzogen. Tausende Beamte wurden suspendiert. Die Medienaufsichtsbehörde entzog allen Fernseh- und Hörfunksendern, die mit der Gülen-Bewegung in Verbindung stehen sollen, die Lizenzen.

Seit dem gescheiterten Putsch wurden in der Türkei rund 60.000 Soldaten, Polizisten, Beamte und Lehrer suspendiert oder festgenommen. Das Vorgehen Erdogans ist in der EU auf Kritik gestoßen. EU-Politiker fordern, dass sich die Türkei bei ihren Maßnahmen gegen die Putschisten an rechtsstaatliche Normen hält und befürchten, dass die Demokratie in Gefahr ist.

Die Türkei wies die Bedenken zurück. Der Minister für EU-Angelegenheiten, Ömür Celik, beklagte zudem, dass auch eine Woche nach dem Putschversuch noch kein Vertreter der Verbündeten die Türkei besucht habe, um Solidarität mit der Regierung zu demonstrieren. Darüber sei die Türkei sehr überrascht, sagte er.

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