Terror-Experte: Es gibt für die USA keine Alternative zu Erdogan

In den USA wird die Gülen-Bewegung kritisch gesehen: Experten zweifeln nicht, dass die Bewegung in den Putsch in der Türkei verstrickt ist. Auch in den USA selbst hatte die Bewegung mehrfach Probleme: Das FBI hatte in den vergangenen Jahren wegen des Verdachts der illegalen Finanzierung Razzien an US-Schulen der islamischen Gülen-Bewegung durchgeführt.

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan und US-Präsident Barack Obama. (Foto: DTN)

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan und US-Präsident Barack Obama. (Foto: DTN)

Im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei sagte Abraham Wagner vom Center for Advanced Studies on Terrorism den Deutsch Türkischen Nachrichten: „Es gibt keine Beweise dafür, dass Fethullah Gülen als Person den Putschversuch angeordnet hat, doch die Gülen-Bewegung ist eindeutig in den Putschversuch involviert. Erdogan mag für die USA ein unbequemer Partner sein, doch er ist die einzige Alternative und die Türkei ist ein Nato-Staat. Die USA haben eigentlich keine Wahl. Erdogan ist der Präsident der Türkei und die USA befindet sich in einer schwierigen Situation.“

Auf Nachfrage, was die Gülen-Bewegung für die innere Sicherheit der USA bedeute, sagte Wagner: „Das Problem ist, dass der 1. Zusatzartikel zur Verfassung der USA gilt. Solange die Gülen-Bewegung in den USA nicht gegen die Verfassung verstößt, können sie machen, was immer sie wollen. Lassen sie Ihnen ein Beispiel geben. Die IRA hatte hier in den USA, insbesondere in Boston, Geld für Waffenkäufe gesammelt. Dies war nach US-Recht ein illegaler Akt. Deshalb mussten die USA gegen die IRA vorgehen. Die Gülen-Bewegung betreibt Schulen in den USA und sie achten darauf, nicht gegen das Gesetz zu verstoßen. Deshalb ist die Lage relativ schwierig. Die Gülen-Bewegung ist eigentlich gegen unsere Werte, aber sie können rechtlich nur etwas machen, wenn Gesetzesverstöße vorliegen.“

Auf Nachfrage der Deutsch Türkischen Nachrichten, warum die Gülen-Bewegung ausgerechnet der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton Geld zukommen lässt und sie unterstützt, sagte Wagner: „Nun ja, Hillary Clinton hat die Angewohnheit Geld von jedem zu nehmen. Sie bekommt auch Geld aus Saudi-Arabien, aus Katar, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.“

Die Schulen des islamischen Predigers wurden in Russland 2002 geschlossen. Auslöser war ein schwerwiegender Vorwurf, den der Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation (FSB) als erwiesen ansah. Die Mitglieder der Gemeinde sollen für die CIA spioniert haben. Der ehemalige FBI-Berater Paul L. Willams sagte im März 2014 der Zeitung Aksam, dass die CIA die Aktivitäten der Gülen-Bewegung in Zentralasien unterstützt habe.

Die Bewegung sollte die muslimischen Staaten Zentralasiens politisch und wirtschaftlich erschließen. Doch der eigentliche Urheber dieser Idee sei der US-Geostratege Zbigniew Brzezinski gewesen. Deshalb seien die Schulen des islamischen Predigers in der Russischen Föderation und in der Ukraine geschlossen worden. In der Türkei sollen die Schulen ab dem 1. September 2015 geschlossen werden.

Aktuell sollen weltweit 130 Gülen-Gefolgsleute für die CIA arbeiten, sagte Williams. Das Vermögen der Bewegung belaufe sich auf 50 Milliarden US-Dollar. Doch Gülen werde letztendlich vom US-Geheimdienst ausgenutzt.

In Bezug auf die türkische Politik sagt Williams, dass die Bewegung versuche, die CHP gegen die AKP aufzubauen. Dieser Kurswechsel sei auf der Farm des islamischen Predigers in Pennsylvania festgelegt worden. Das US-Außenministerium unterstütze die Bewegung in ihrem Vorhaben.

Bemerkenswert ist, dass Williams im Akşam-Interview explizit die CIA -und nicht das FBI – als Kooperationspartner der Bewegung nennt. Offenbar gibt es innerhalb der US-amerikanischen Sicherheitsbehörden unüberbrückbare Differenzen, berichtet die Daily Sabah.

Der Ex-Pentagonsprecher Jeffrey D. Gordon ist der Ansicht, dass Gülen und seine Organisation eine Bedrohung für die USA und die Türkei ist. Gordon sagt, die Gülen-Bewegung betreibe das größte Charter School-System der USA. Die Organisation mische sich auch in die US-Politik ein und gehöre zu den Sponsoren von Hillary Clinton.

Die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen ist auch in den USA nicht unumstritten. In den vergangenen Jahren hatte es in den USA mehrere FBI-Razzien in den Schulen der Bewegung gegeben. Das FBI führte im Jahr 2014 in Ohio Razzien in insgesamt 19 Gülen-Schulen durch, berichtet Ohio.com. Die Schulen sollen im Bereich der Wirtschaftskriminalität angesiedelt sein.

Im Dezember 2013 gab es eine Razzia in der Kenilworth Science School und der Technology Charter School in Louisiana. Hintergrund der Razzia sollen illegale finanzielle Verflechtungen gewesen sein. WBRZ berichtet, dass die Schule jährlich fünf Millionen Dollar an öffentlichen Geldern bekommt.

Im vergangenen Jahr berichtete The Chicago Sun Times, dass einige private US-Schulen, die in Verbindung mit der Gülen-Bewegung stehen, beschuldigt werden Millionen an staatlichen Zuschüssen an die Gülen-Bewegung geschleust zu haben.

Die New York Times berichtet, dass Gülen-Schulen etwa 50 Millionen Dollar aus öffentlichen Geldern an ein Netzwerk von Baufirmen geschmuggelt haben sollen. Zu den Firmen gehöre Atlas Texas Construction and Trading, dessen Vize-Chef Inci Akpinar Bestechung vorgeworfen wurde.

Die Gülen-Bewegung betreibt 140 Schulen in 26 Staaten der USA. Die Bewegung betreibt in den USA fast ausschließlich Charter Schools, die auf öffentliche Gelder angewiesen sind.
Die Kanzlei Amsterdam & Partners LLP wirft den Gülen-Schulen Betrug vor und wird gesonderte Anklagen erheben. Es geht insbesondere um eine Firma, die sich Solidarity Contract nennt. Der Business Manager der Harmony-Schulen [Charter Schools in Texas, die zum Gülen-Netzwerk gehört] wechselte zu Solidarity Contract und erhielt dort von 2003 bis 2009 Bauaufträge von Harmony im Wert von 22 Millionen Dollar, zitiert die Nachrichtenagentur Robert Amsterdam.

Es gibt insgesamt 36 Harmony-Schulen in Texas. Das Harmony-Bildungsnetzwerk ist eines der größten in Texas, berichtet My San Antonio.

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