Zahlreiche Pestizide in der EU sind gefährlich

Greenpeace hat in dieser Woche eine neue Liste zu gefährlichen Pestiziden in der Landwirtschaft veröffentlicht. Nicht selten können die verwendeten Pestizide Krebs auslösen oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Glyphosat ist da nur eines von vielen.

Die Ukraine wolle unter anderem mit Getreide aushelfen. (Foto: Flickr/ DSC_0198 by Olia Gozha CC BY 2.0)

Spuren von Pestiziden wurden nun in Brötchen und Getreide festgestellt. (Foto: Flickr/ DSC_0198 by Olia Gozha CC BY 2.0)

Die von der EU-Kommission verlängerte Zulassung für Glyphosat hat für viel Aufsehen gesorgt. Generell ist Monsanto mit Glyphosat sehr häufig Gesprächsthema gewesen. Hintergrund dafür war hierzulande die WHO-Studie, die dem Inhaltsstoff von Pflanzenschutzmitteln eine krebserregende Wirkung nachsagte.

Doch tatsächlich steht Glyphosat nur spezifisch für etliche Pestizide, die europaweit eingesetzt werden und teilweise äußerst bedenklich für die Gesundheit der Bürger sind. In dieser Woche veröffentlichte Greenpeace deshalb eine Liste mit 209 Pestiziden, die für den Menschen und die Umwelt schädlich sind. Dafür wurden alle 520 in der EU zugelassenen Pestizide von einem unabhängigen Pestizidexperten untersucht.

„Mehr als ein Drittel der in Europa verwendeten Pestizide sollten verboten werden. Der Einsatz dieser Pestizide in der Produktion von Obst, Gemüse und Getreide gefährdet unsere Gesundheit und die Umwelt“, sagt Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. 209 Wirkstoffe haben besonders schlecht abgeschnitten. Neben Glyphosat gehören auch die beiden chronisch toxischen Fungizide Boscalid und Cyprodinil, die bienengefährdenden Neonicotinoide und das sehr giftige Insektizid Abamectin dazu.

Die staatlichen Lebensmittelbehörden begründen den Einsatz der bedenklichen Pestizide mit den erlaubten Grenzwerten, die meistens eingehalten würden. Allerdings wird dem gleichzeitigen Einsatz vieler gefährlicher Pestizide noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. „Der Trend geht allerdings zu Mehrfachbelastungen mit Pestizid-Cocktails in einigen Obst und Gemüsesorten. Diese gelten als toxikologisch besonders bedenklich“, so Greenpeace. Im vergangenen Jahr konnten an konventionell produzierten Äpfeln in europäischen Supermärkten bei 83 Prozent Pestizidrückstände festgestellt werden. Und bei mehr als der Hälfte wurden zwischen zwei und acht Wirkstoffe gefunden.

Beim Honig sieht es nicht besser aus. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte in diesem Sommer in 13 von 22 Honigen aus deutschen Supermärkten Rückstände von Pestiziden festgestellt. „Die Ergebnisse sind alarmierend und zeigen, dass wir in Deutschland und der EU ein ernsthaftes Problem mit Pestiziden in der Landwirtschaft haben“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Neonikotinoide seien mitverantwortlich für das Bienenvölkersterben und reduzierten die Artenvielfalt auch bei Vögeln und anderen Wildtieren. „Umweltschädliche Ackergifte werden im Obst- und Rapsanbau in großer Menge eingesetzt und gelangen deshalb in die Lebensmittel. Verbraucher können sich vor Ackergiften ebenso wenig schützen wie Tiere und die Natur“, so Weiger.

Der starke Einsatz von Pestiziden hat aber auch noch ganz andere Auswirkungen. Bereits 2014 warnten Wissenschaftler der University of Colorado vor einer massiven Schädigung des Ökosystems durch Insektengifte. Mittels DNA-Analyse stellten sie fest, dass sich die Vielfalt der Bodenorganismen auf Ackerflächen verringert hat. Die Forscher verglichen mittels DNS-Analyse die Bakterienvielfalt aus Ackerland mit Erde, die keiner Landwirtschaft ausgesetzt war. Ernteausfälle auf bereits erodierter Erde können unter dem Einsatz von Düngemittel noch eine Zeitlang herausgezögert werden, gleichzeitig wird das Ökosystem weiter gestört – ein Teufelskreis. Irgendwann hilft auch keine Chemie mehr, der Boden ist ausgelaugt und verloren.

Von den Folgen der Erosion ist Afrika besonders schlimm betroffen. Auf dem Kontinent muss ein Großteil des zukünftigen Wachstums in der Landwirtschaft stattfinden. Doch tatsächlich hat der Bodenverlust die Erträge bereits um acht Prozent reduziert. „Wir haben keine Freiheit mehr, Fehler zu machen. In den nächsten 30 bis 40 Jahren stehen wir vor einer drohenden Lebensmittel-Knappheit. Hungersnot ist eine sehr reale Möglichkeit“, so Robert Scholes.

Doch der Einfluss der Chemieunternehmen auf die EU-Politik ist groß. Allein aus den Angaben des Lobbyregisters der EU erschließt sich, dass die Pharmaindustrie offiziell 40 Millionen Euro investiert, um einen privilegierten Zugang zur EU zu erhalten, wie eine Studie der Corporate Europe Observatory (CEO) zeigt. Aufgrund „fehlender Kontrolle“ der freiwilligen Angaben im europäischen Transparenzregister, werden die Ausgaben der Pharmaindustrie aber „weit über den 40 Millionen Euro“ liegen, so die Studie. Zum Vergleich: Die Ausgaben für Lobbyarbeit von NGOs und Verbrauchergruppen, die sich mit dem Thema Medizin und Gesundheit beschäftigen, investieren gerade einmal 2,7 Millionen in die EU-Lobbyarbeit (Stand Juli 2015).

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