Worum es in Syrien wirklich geht

In Syrien geht es um die Weichenstellungen für den internationalen Energiemarkt.

Als im März 2011 in der syrischen Stadt Darra nahe der jordanischen Grenze die ersten Einwohner auf die Straße gingen, waren viele in den westlichen Staaten überrascht. Ausgerechnet in Syrien, das als politisch stabil galt, sollten nun doch Auswirkungen der Proteste in Tunesien und Ägypten zu spüren sein. Die Menschen in Darra gingen friedlich auf die Straße – nach und nach begannen die Demonstrationen dann auch in anderen Teilen Syriens. Lange dauerte es nicht, bis es zu ersten Zusammenstößen kam: In Darra schossen zunächst Heckenschützen auf Demonstranten, Panzer wurden geschickt, um die Stadt abzuriegeln. Und auch in anderen Städten wie Damaskus kam es zu Gewalt gegen Demonstranten. Unter Assads Regime wurde brutal gegen die Demonstranten vorgegangen.

Und genau in diesen Zeiten, als auch Europa sich nicht von den Geschehnissen in Syrien beeindrucken ließ, begannen sich die Umstände zu ändern. Neben den Demonstranten von damals bildeten sich Widerstandskämpfer aus der syrischen Bevölkerung. Aber auch Gruppen von Kämpfern aus anderen Ländern strömten ins Land, um es zu destabilisieren. Die Rolle des studierten Augenarztes Assad wurde immer undurchsichtiger, viele Aktionen wurden von Hintermännern betrieben. Hintermänner, die schon zu Zeiten des Vaters von Assad Macht im Staate hatten. Und Assads Vater Hafiz al-Assad war bekannt für seine Gnadenlosigkeit gegenüber Aufständischen.

Außer einigen Worten war von der EU aber auch weiterhin nichts zu vernehmen. Russland und die USA befanden sich an diesem Punkt allerdings bereits im Konflikt. Schließlich kennen beide Staaten die geopolitische Wichtigkeit Syriens. Als Puffer zwischen Israel und dem Iran war das Land, das von Römern, Osmanen und später auch von Franzosen beherrscht wurde, genauso bedeutend, wie aufgrund seiner geografischen Nähe zur Türkei. Eine Türkei, die damals die Grenze zu Europa markierte und aufzuweichen vorgab.
Aber auch die Rohstoffvorkommen des Landes sind mit Blick auf die Lage Syriens wichtig. Und hier kamen schlussendlich zu den ausländischen Söldnern nach und nach auch Kämpfer des IS ins Spiel. Der medienaffine IS baut seine Stärke auf die Ölindustrie und nutzte die undurchsichtige Lage in Syrien. Mit dem Einstieg des IS wurden auch die mittlerweile überwiegend politischen Ziele der Parteien Russland, USA und China sichtbar.

Das Vordringen des IS ermöglichte es den USA, ein Einschreiten in die Krisensituation in Syrien nach außen hin zu rechtfertigen. Plötzlich konnte man sich mit den russischen Politikern arrangieren. Wie wichtig die Rohstoffvorkommen in Syrien sind und wie bedeutend das Land für die Handelswege des Erdöls insgesamt ist, zeigt sich auch in Hinblick auf die Parallelität des Syrien-Konflikts mit dem Fall des Ölpreises. Gerade in den vergangenen eineinhalb Jahren, als der Ölpreis zwischendurch massiv an Wert verloren hatte, kam es zu einer vermehrten Einmischung der USA in Syrien. Der Ölpreisverfall hatte dazu geführt, dass die Karten am Ölmarkt neu gemischt wurden. Die OPEC-Staaten haben ihren Anteil am Ölmarkt massiv ausweiten können und dominieren diesen mittlerweile.

Je stärker sich die USA in Syrien einmischten, umso geringer wurde die Aufmerksamkeit für die Rolle der Türkei. Um sich wieder ins Spiel zu bringen, nutzte Erdogan die Flüchtlinge aus Syrien. Zusammen mit Flüchtlingen aus Nordafrika, Afghanistan und dem Iran strömten sie mit Unterstützung der Türkei nach Europa und zwangen die EU, endlich die Augen vor den Geschehnissen in Syrien nicht mehr zu verschließen. Die EU war gezwungen zu handeln. Doch wie zuvor bekämpfte man nicht die Ursachen der Flucht, die teilweise auch von den westlichen Sanktionen gegenüber der Region herrührten. Stattdessen fand sich die EU mit dem kleineren Übel ab und stützte Erdogans Politik mit zahlreichen Treffen und Millionen für Zeltplätze zur Unterbringung weiterer Flüchtlinge.

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