Galatasaray braucht ein Wunder

Auf dem Transfermarkt zeigt sich Galatasaray aktiv wie eh und je. Finanziell arbeitet der Klub aber an der Grenze des Machbaren. Für das abgelaufene Geschäftsjahr hat der Rekordmeister einen Riesenverlust ausgewiesen.

Trotz UEFA-Auflagen und einer finanziell angespannten Situation ist der türkische Rekordmeister derzeit auf Einkaufstour. Die Qualität der Neuzugänge wird zwar nicht in Frage gestellt, dafür ist die Kritik an den hohen Gehältern groß. Allein Tolga Ciğerci wird 2 Millionen Euro pro Jahr netto einstreichen, bei der Hertha bekam er lediglich 900.000 Euro brutto. Der Mittelfeldspieler hat sein Nettogehalt somit etwa vervierfacht. Eren Derdiyok wiederum verdient künftig 2,15 Millionen Euro pro Jahr und dürfte sein Gehalt in etwa verdoppelt haben. Für diese Verträge muss der Vorstand um Dursun Özbek viel Kritik einstecken. Doch offenbar setzt der Präsident alles auf eine Karte. Gelingt mit diesem Kader der Gewinn der Meisterschaft und der Einzug in die Champions League, könnte der Klub eventuell den Hals aus der Schlinge ziehen. Werden die sportlichen Ziele verfehlt, droht im kommenden Jahr ein Rekordverlust.

Verlust sinkt leicht

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2015/16 (1.6. bis 31.5.) hat Galatasaray mit einem Verlust von 78,9 Millionen Lira abgeschlossen. Das sind etwa 23,9 Millionen Euro und 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Der größte Verlusttreiber sind die hohen Zinskosten. Dieser Posten betrug 111,3 Millionen Lira. Das ist keine Überraschung, der aktuelle Schuldenstand liegt bei knapp 1,5 Milliarden Lira, also rund 450 Millionen Euro. Immerhin gibt es auch positives zu vermelden. Die Steuerschuld des Klubs beträgt nur noch 20 Millionen TL. Zudem konnte der Klub wie die Konkurrenten beim Umsatz kräftig zulegen. Die Einnahmen stiegen um 23 Prozent auf 508,9 Millionen Lira.

Kommt der finanzielle Befreiungsschlag?

Mit Blick auf die Auflagen der UEFA droht dem Klub bei dieser Finanzlage eine weitere Europapokalsperre. Die Auflagen selbst kann Galatasaray eventuell noch erfüllen. Allerdings müsste diese Bilanz gegen die Vorgaben des Financial Fairplay (FFP) verstoßen. Einige kritische Beobachter – eingefleischte Galatasaray-Anhänger – hatten gemutmaßt, dass der Verein auf Gold gestoßen sei. Anders könne man dieses Verhalten nicht erklären. Auf der anderen Seite könnte aber auch einfach das Tafelsilber helfen. So steht ein vereinseigenes Grundstück in der Nähe der dritten, im Bau befindlichen Bosporus-Brücke vor dem Verkauf. Galatasaray hatte Ende Juni die Unterzeichnung einer Absichtserklärung bekannt gegeben. Finanzielle Details nannte der Verein bisher nicht. Laut Hürriyet könnte der Klub dadurch etwa 1,5 Milliarden Lira einnehmen. Sollten sich diese Gerüchte bewahrheiten, wäre das der finanzielle Befreiungsschlag, quasi ein Wunder für die Löwen. Mit dem Verkauf eines Grundstücks hatte einst Florentino Perez Real Madrid vor dem wirtschaftlichen Ruin gerettet. Nun schickt sich der Hotelier Özbek an, es dem spanischen Baulöwen gleichzutun. Einen kleinen Schritt ist man übrigens schon vorangekommen. Der Immobilienkonzern NEF konnte als Hauptsponsor für die nächsten drei Jahre gewonnen werden (Gazetefutbol berichtete).

Galatasaray Kennzahlen auf einen Blick (2015/16)

Umsatz 508,9 Mio. TL (+23%) 154,1 Mio. €
Gewinn/Verlust -78,9 Mio. TL (-15%) -23,9 Mio. €
Nettoschulden 1,49 Mrd. TL 450,1 Mio. €

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==> Hier geht es zu den Finanzkennzahlen von Trabzonspor
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Die Gewinn- und Verlustrechnung von Galatasaray (2015/16)

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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