Terim: Ziel lautet WM-Teilnahme

Die türkische Nationalmannschaft bestreitet am Mittwoch zur Vorbereitung auf die beginnende WM-Qualifikation ein Testspiel gegen die Auswahl Russlands. Dabei könnten gleich ein halbes Dutzend Spieler ihr Debüt im Nationaltrikot feiern. Im Vorfeld hielt Nationaltrainer Fatih Terim gemeinsam mit Enes Ünal eine Pressekonferenz ab.

Die Partie gegen Russland ist nicht nur sportlich, sondern auch politisch motiviert. Es soll dazu beitragen, die Spannungen zwischen den zwei Nationen weiter abzubauen. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets hat endlich Tauwetter zwischen den beiden Ländern eingesetzt, was mit der Ansetzung dieser Begegnung betont werden soll. Auf der anderen Seite stellt dieses Spiel für die Türkei kurz vor dem Beginn der WM-Qualifikation einen wichtigen Härtetest dar. Die WM-Endrunde findet 2018 statt, Gastgeber sind die Russen.

127. Partie unter Fatih Terim 

Derzeit absolviert Nationaltrainer Fatih Terim bereits seine dritte Amtsperiode als Chefcoach der Türkei. Insgesamt 126 Mal stand der 62-Jährige bisher an der Seitenlinie.  Dabei gab es 66 Siege unter der Regie des „Imperators“, bei 31 Niederlagen und 29 Remis. 191 Tore erzielte die Türkei in diesem Zeitraum und kassierte selbst 132 Gegentreffer. Von den bisher 126 Länderspielen unter Terim handelte es sich um 62 Pflicht- und 64 Testspiele. Während der dritten Amtszeit Terims bestritt die türkische Mannschaft bis dato 34 Begegnungen. Davon gewannen die „Halbmond-Kicker“ 23. In den restlichen elf Partien gab es drei Unentschieden und acht Niederlagen. 55 erzielten Treffern stehen 31 Gegentore gegenüber. Gegen Russland könnten mit Ahmet Oğuz, Kaan Ayhan, Irfan Can Kahveci, Harun Tekin, Cengiz Ünder gleich sechs Spieler ihr Debüt geben.

Enes Ünal hofft auf Chance 

Am späten Dienstagnachmittag hielt Nationaltrainer Fatih Terim gemeinsam mit Youngster Enes Ünal eine Pressekonferenz vor dem Duell am Mittwoch ab. Zunächst äußerte sich der Nachwuchsstürmer zu seinen persönlichen Ambitionen: „Ich habe große Ziele. Noch bin ich am Anfang. Ich bin zum zweiten Mal bei der Nationalmannschaft. Ich versuche das Beste aus mir herauszuholen. Sollte ich die Chance bekommen, zu spielen, werde ich versuchen diese zu nutzen. Im Ausland fühle ich mich wohler. Die Menschen verurteilen einen weniger. Jedes Jahr arbeite ich im Trainingscamp von City. Dabei wägen wir die besten Möglichkeiten ab. Für mich war dies die niederländische Liga. Dort spielen viele junge Spieler. Ich bin erst 19. Wenn ich mich dort beweisen kann, habe ich andere Ziele vor Augen“, so Ünal.

Nach der EM ist vor der WM 

Nationalcoach Fatih Terim betonte, dass ein großes Turnier hinter ihm und der Mannschaft liegt. Er habe die vergangene Zeit gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und den Verantwortlichen ausgiebig genutzt, um das Abschneiden des türkischen Teams und die Begleitumstände während dieses Wettbewerbs zu analysieren und entsprechend zu bewerten: „Bevor die WM-Qualifikation beginnt, ist zunächst aufzuführen, dass ein wichtiges Turnier hinter uns liegt. In der dazwischen liegenden Zeitspanne sind wir nicht mit der Presse zusammen gekommen. Man kann sagen emotional war dies kein erfreulicher Zeitraum. Wir hatten die Gelegenheit, zu beurteilen, wie die Euro 2016 in Frankreich verlaufen ist. Wir haben alles offen auf den Tisch gelegt und darüber diskutiert. Ich habe dem Vorstand mein Angebot vorgelegt. Ab jetzt sprechen wir nur noch über die Weltmeisterschaft“, sagte Terim. Mit dem Abschneiden bei der EM sei man alles andere als zufrieden. Nach 2002 laute das Ziel nun die Teilnahme an der WM 2018 in Russland.

Terim übt Kritik an türkischer Medienlandschaft

Terim haderte überdies mit der medialen Darstellung seiner Person als alleinigen Sündenbock: „In der Türkei wurde eine Atmosphäre geschaffen als sei ich alleine der Schuldige am Misserfolg. Ich habe die Verantwortung übernommen und alles getan, was getan werden musste. Was hierunter verstanden wird, könnt ihr beurteilen. Die Türkei nahm an einem Turnier teil, bei dem die Niederlande nicht teilgenommen hat. Das ist ein großer Erfolg. Danach will jeder mehr erreichen. Wir wollten das mehr als jeder andere. Ich hatte gesagt, diese Gruppe zu überstehen, ist ein großer Erfolg. Danach ist alles leichter, hatte ich damals gesagt. Dies als Misserfolg darzustellen, ist falsch.“

Nichtnominierung nichts Persönliches

Des Weiteren nahm der Nationaltrainer Stellung zu Arda Turan und anderen Spielern, die überraschend nicht im Aufgebot der Türkei stehen: „Auch ich möchte, wie ich das für jeden Spieler will, dass Arda erfolgreich ist. Ich hätte auch erwartet, dass ich gefragt werde, wie ich jemanden nominieren kann, der sechs Monate nicht gespielt hat. Hakan Balta, Selçuk Inan, alle haben sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und ihren Beitrag geleistet. Das werden sie auch in Zukunft tun. Aber heute sieht meine Wahl so aus. Vor zehn Jahren haben sie erfahrene Spieler ersetzt, heute werden neue junge Spieler eben an ihrer Stelle spielen. Das ist nichts Persönliches. Die Nichtnominierungen haben nicht alle den selben Grund. Ihr wisst das besser als ich. Wenn man sich bei jemanden entschuldigen muss, dann beim türkischen Volk. Sollten meine Vorgaben eingehalten werden, dann kann jeder auf einen Platz im Kader hoffen.“

Terim warnt vor schwerer Gruppe 

„Um ehrlich zu sein, haben wir eine schwere Gruppe vor der Brust. Das Spiel gegen Russland dient als Vorbereitung dafür. Ich als Trainer wollte eine einfachere Aufgabe. Die Saison hat erst begonnen. Da wir ein Team haben, das gerade erst die Strapazen der EM hinter sich hat, hätten wir uns einen anderen Gegner gewünscht. Aber aufgrund der Freundschaft zwischen der Türkei und Russland haben wir uns dazu entschieden, diese Partie in Antalya auszutragen. Die ersten Runden der WM sind im Vergleich zur EM leichter, die Qualifikation jedoch schwerer. Wir wollen zur WM. Es wird nicht einfach, wir werden es versuchen. Ich habe Vertrauen in meine Spieler. Island und Kroatien sind keine Unbekannten für uns.“ Das viel kritisierte Prämiensystem werde zudem einer Reform unterzogen: „Was das Prämiensystem angeht, haben wir einiges geändert. Ab jetzt wird es keine Probleme mehr diesbezüglich geben. Es handelt sich nicht nur um eine Prämien-Angelegenheit, wie es immer dargestellt wird. Es ist auch eine Frage der Statistiken. Wir liegen im Vergleich zu 2008 in allen Kategorien zurück. Man darf die Leistung auf dem Spielfeld nicht außer Acht lassen. Schüsse, Laufpensum, Dribbling, wir liegen überall zurück.“

Der Kader im Überblick

Torwart: Harun Tekin (Bursaspor), Onur Recep Kıvrak (Trabzonspor), Volkan Babacan (Medipol Başakşehir)

Abwehr: Ahmet Oğuz, Ahmet Yılmaz Çalık (Gençlerbirliği), Şener Özbayraklı, Hasan Ali Kaldırım, İsmail Köybaşı (Fenerbahçe), Çağlar Söyüncü (Freiburg), Kaan Ayhan (Schalke 04), Serdar Aziz (Galatasaray)

Mittelfeld: Hakan Çalhanoğlu (Bayer Leverkusen), Emre Mor, Nuri Şahin (Borussia Dortmund), İrfan Can Kahveci (Gençlerbirliği), Mehmet Topal, Salih Uçan, Ozan Tufan, Volkan Şen (Fenerbahçe), Olcay Şahan (Beşiktaş), Tolga Ciğerci (Galatasaray), Okay Yokuşlu (Trabzonspor), Gökhan Töre (West Ham United), Cengiz Ünder (Medipol Başakşehir)

Sturm: Cenk Tosun (Beşiktaş), Enes Ünal (Twente), Yunus Mallı (Mainz 05)

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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