Europa im Kaufrausch, Süper Lig spart

Das Transferfenster ist zu, die Kader von Europas Klubs stehen. Die Süper Lig hat sich bei der Verpflichtung von neuen Spielern zurückgehalten. Andere Ligen stellten dagegen Rekorde auf. Gazetefutbol blickt auf die wichtigsten Fakten zum Transfersommer.

Das Wort „Wettrüsten“ wird gerne im Zusammenhang mit Spielerwechseln verwendet, doch diesen Sommer passt es mehr als je zuvor. Die Vereine in Europa haben bei den Transferausgaben einen neuen Rekord aufgestellt. Der Hauptgrund dafür ist der neue, nun gültige TV-Vertrag in der Premier League. Selbst der am Saisonende schlechteste Verein im englischen Oberhaus kann dadurch fest mit rund 200 Mio. Euro planen. Und dieses Geld muss offenbar investiert werden. Die Premier League hat in diesem Sommer 1,41 Milliarden Euro für neue Spieler ausgegeben. Der Wettbewerb innerhalb der Liga erreicht damit eine neue Dimension. Dahinter folgen mit klarem Abstand die italienische Serie A (ca. 700 Millionen Euro) und die Bundesliga (547 Millionen Euro). Auf den vierten Rang kommt die spanische Primera Division mit 472 Millionen Euro vor der Ligue 1 mit 192 Millionen Euro. Noch etwas mehr als die französischen Top-Vereine hat sogar die Championship, die zweite englische Liga ausgegeben: 247 Millionen Euro.

Transferausgaben Top-Ligen (Sommer 2016, via Eurosport.de)

Premier League: 1,41 Mrd. Euro
Serie A: 700 Mio. Euro
Bundesliga: 547 Mio. Euro
Primera Division: 472 Mio. Euro
Championship: 247 Mio. Euro
Ligue1: 192 Mio. Euro

Süper Lig: 47 Mio. Euro

Guardiola im Transferrausch

Einige Fakten sind aber sehr interessant. So hat Real Madrid lediglich 13 Millionen Euro ausgegeben und damit so wenig wie nie in den vergangenen zehn Jahren. Während Zinedine Zidane also auf Kontinuität im Kader setzt, baut Manchester Citys neuer Teammanager Pep Guardiola mächtig um. Er hat mit knapp 197 Millionen Euro mehr Geld ausgegeben als alle Ligue 1-Klubs zusammen. Insgesamt 30 Spieler wurden in Europa für mehr als 25 Millionen Euro verkauft. An der Spitze steht natürlich Paul Pogba, der für 105 Millionen Euro von Juventus zu Manchester United wechselte. Solche Beträge locken Kritiker an. BVB-Trainer Thomas Tuchel sagte: „Die Summen stehen in keinem Verhältnis mehr zu den Leuten, die ins Stadion kommen, um sich ein Spiel anzusehen. Wenn es nur noch um Geld und Transaktion geht, verlieren wir die Beziehung zu den Menschen.“ Allerdings muss er da selbstkritischer werden. Der deutsche Vizemeister gab mehr als 100 Millionen Euro für neue Spieler aus und hat eine ähnlich hohe Summe durch Verkäufe eingenommen. Man könnte Tuchel also eine gewisse Doppelmoral vorwerfen.

Die fünf teuersten Spieler im Sommer 2016

Paul Pogba (Juventus ==> ManUnited): 105 Mio. €
Gonzalo Higuain (Napoli ==> Juventus): 90 Mio. €
Hulk (Zenit ==> Shanghai SIGP): 60 Mio. €
John Stones (Everton ==> ManCity): 55,6 Mio. €
Leroy Sane (Schalke ==> ManCity): 50 Mio. €

Marktwerte: STSL auf Platz 6!

Die Webseite Transfermarkt.de aktualisiert nach jeder Transferperiode die Marktwerte der einzelnen Spieler. Das Verfahren ist nicht ganz unumstritten, denn ein Spieler ist im Fußball-Kapitalismus nur so viel Wert, wie jemand dafür zu zahlen bereit ist. Dennoch stimmt meist die grobe Richtung. Nach Marktwerten steht die Süper Lig aktuell auf Rang sechs in Europa. Damit sind die Spieler im türkischen Oberhaus mehr wert als beispielsweise die Akteure in den ersten Ligen Russlands, Belgiens oder Portugals. Nun müssen sie aber auch zeigen, dass sie nicht überschätzt werden. Schließlich beginnt schon übernächste Woche die Europapokalsaison! Und da liegt die Süper Lig im UEFA Länderranking hinter den genannten Ligen.

Marktwerte der Spieler nach Ligen (gemäß transfermarkt.de):

Premier League: 4,82 Mrd. €
La Liga: 3,53 Mrd. €
Serie A: 2,68 Mrd. €
Bundesliga: 2,51 Mrd. €
Ligue 1: 1,50 Mrd. €
Süper Lig: 914 Mio. €

Türken auf der Transferbremse

Von dem Geld der Top-Ligen Europas kann die Süper Lig nur träumen. Alle Top-Vereine müssen Auflagen im Rahmen des Financial Fairplay (FFP) der UEFA erfüllen, zudem sitzen die 18 Klubs auf einem Schuldenberg von kumuliert mehr als 4 Milliarden Lira. Ohnehin hatten in der vergangenen Saison nur zwei Klubs Gewinne ausgewiesen (Gazetefutbol berichtete). Es wird also gespart. Insgesamt haben die Süperligisten 290 Spieler abgegeben und 324 neu in ihren Reihen begrüßt. Am heftigsten trieb es İbrahim Üzülmez von Gençlerbirliği. Die Hauptstädter gaben 26 Spieler ab und holten 14 neue. Allerdings laufen viele Wechsel innerhalb der Türkei ohne Ablösesummen. Antalyaspor hat sich dagegen am meisten zurückgehalten: hier kamen sieben Spieler, nur drei gingen. In solch wirtschaftlich schwierigen Zeiten liegen Leihspieler im Trend. Allein Beşiktaş, Galatasaray und Fenerbahçe haben neun Spieler gemietet. Das schont den Geldbeutel. Den ausführlichen Blick auf die Transferbilanzen der türkischen Top-Vereine gibt es hier. In Summe hat die Süper Lig nach vielen Jahren erstmals wieder einen Transferüberschuss erzielt. Einnahmen von 49,62 Millionen Euro standen Ausgaben von 46,58 Millionen Euro gegenüber. Das ergibt ein Miniplus von 3,04 Millionen Euro. Es ist auch absolut der geringste Ausgabenbetrag seit der Saison 2007/08. Einschränkend muss man aber sagen, dass im kommenden Winter noch Transfers möglich sind.

Transferausgaben Süper Lig 2007/08 bis 2016/17 (Quelle: Transfermarkt.com.tr):

2007/08: 28 Mio. €
2008/09: 67 Mio. €
2009/10: 75 Mio. €
2010/11: 85 Mio. €
2011/12: 108 Mio. €
2012/13: 95 Mio. €
2013/14: 60 Mio. €
2014/15: 71 Mio. €
2015/16: 86 Mio. €
2016/17: 47 Mio. €

Süperligisten mit mehr als 1 Mio. Euro an Transferplus/-minus (Sommer 2016, via NTVSpor)

Trabzonspor: -5,25 Mio. €
Galatasaray: -4,00 Mio. €
Gençlerbirliği: -2,50 Mio. €
Gaziantepspor: -1,25 Mio. €
Fenerbahçe: +2,5 Mio. €
Kasımpaşa: +3,7 Mio. €
Beşiktaş: +4,3 Mio. €
Bursaspor: +7,4 Mio. €

Historisch!

Caner Erkin ist in diesem Sommer ablösefrei von Fenerbahçe zu Inter Mailand gewechselt und kam vor wenigen Tagen auf Leihbasis zu Beşiktaş. Offenbar konnte Inters neuer Coach Frank de Boer nichts mit dem Linksverteidiger anfangen. Caner gehört dadurch aber einem exklusiven Kreis an. Nach Burak Yılmaz, Sergen Yalçın, Mehmet Yozgatlı, Saffet Sancaklı, Ahmet Yıldırım, Ali Soydan, Emre Aşık und Refik Osman Top ist er erst der neunte Spieler in der Geschichte der Süper Lig, der bei den drei großen Klubs aus Istanbul gespielt hat. Sollte Caner auch noch irgendwann zu Trabzonspor wechseln, wären er neben Burak und Sergen nur einer von drei Spielern, die sogar bei den „dört büyük“ aktiv waren.

Der Sommer der Berater

Zum Schluss noch einige Fakten aus der Beraterwelt. So dürfte Mino Raiola nun endgültig den früheren Marktführer Jorge Mendes abgehängt haben. Der Italiener hat in den vergangenen Wochen die Wechsel von Paul Pogba, Zlatan Ibrahimovic und Henrikh Mkhitaryan eingefädelt. Spanische und englische Medien berichten, dass Raiola allein von Manchester United rund 38 Millionen Euro an Provisionen bekommen haben soll. Seine drei Schützlinge waren allesamt ins Old Trafford gewechselt. Laut Independent soll der Transfer von Pogba dem Berater über 24 Millionen Pfund gebracht haben, Mkhitaryans spülte ihm laut der spanischen AS 6,7 Millionen Pfund in die Kasse und bei dem ablösefreien Transfer von Ibrahimovic sollen 2,5 Millionen Pfund für Raiola drin gewesen sein. „Konkurrent“ Jorge Mendes hat in diesem Sommer einen namhaften Transfer abgewickelt, allerdings hängt der eng mit Raiolas Erfolg zusammen. Der Portugiese brachte seinen Mandanten José Mourinho bei United unter, wie es der Independent ausdrückte. Warum Raiola übrigens als der derzeit „coolste“ Berater der Fußballwelt gilt, illustriert diese Geschichte, die einige Medien in den vergangenen Tagen verbreiteten. Ob sie stimmt, wissen wohl nur die Beteiligten.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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