Türkische Zeitung Zaman stellt Betrieb in Deutschland ein

Die regierungskritische türkische Zeitung Zaman stellt ihren Betrieb zum 30. November in Deutschland ein. Als Grund für die Entscheidung gibt die Zeitung Bedrohungen ihrer Abonnenten an.

Die deutsche Ausgabe der Zaman beugt sich offenbar dem Druck ihrer Gegner. (Foto: Flickr/ IsaacMao)

Die deutsche Ausgabe der Zaman beugt sich offenbar dem Druck ihrer Gegner. (Foto: Flickr/ IsaacMao)

Die Entscheidung sei schweren Herzens getroffen worden, sagte Geschäftsleitungsmitglied Süleyman Bag laut einer am Freitag vorab veröffentlichten Meldung dem Magazin defacto des Hessischen Rundfunks.

„Unsere Abonnenten werden besucht, sie werden bedroht, dass sie – wenn
sie weiter abonnieren – Schwierigkeiten bekommen würden“, begründete Bag den
Schritt. defacto berichtet auch von Drohungen gegen Werbekunden und Mitarbeiter. Die Zeitung wolle aber weder, „dass Kollegen zu Schaden kommen noch unsere Abonnenten, die uns die Treue halten“. Laut HR wird der deutsche Ableger der Zeitung zum 30. November eingestellt.

„Seit Beginn des Streits zwischen Erdoğan und Gülen hat die Zeitung aufgrund von Boykottaufrufen und Drohungen der Erdoğan-Anhänger viele Leser und Abonnenten verloren“, so defacto. Die Auflage habe sich in den vergangenen drei Jahren von 30.000 Exemplaren auf weniger als 10.000 reduziert. Etliche Werbekunden seien abgesprungen, und von den ehemals 200 Mitarbeitern seien heute nur noch 17 Mitarbeiter tätig.

Die Zeitung Zaman war bis zur staatlichen Übernahme das Flaggschiff der
Bewegung von Prediger Fethullah Gülen, den die türkische Führung für den
Umsturzversuch Mitte Juli verantwortlich macht. Nach dem gescheiterten
Militärputsch hatte die Regierung bereits zahlreiche kritische Journalisten
ins Visier genommen und dutzende Haftbefehle ausgestellt, so die AFP.

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