Fatih Akin: „Tschick“ bricht Erwartungen und Klischees

Mit Spannung erwarten Filmfans den Start von „Tschick“ in den deutschen Kinos. Der Erfolgrsroman des verstorbenen Autors Wolfgang Herrndorf gilt vielen schon jetzt als einer der besten Abenteuergeschichten der letzten Jahre. Nach diversen Theateradaptionen hat sich Regisseur Fatih Atkin des Stoffs für die Leinwand angenommen. Und festgestellt: Es müsen nicht immer türkische Geschichten sein.

Kamuran Egri trifft Fatih Akin. (Foto: privat)

Kamuran Egri trifft Fatih Akin. (Foto: privat)

Kurzinhalt:

Maik Klingenberg (Tristan Göbel) ist ein Außenseiter auf der Schule in Berlin-Marzahn. Da taucht der Russe Andrej „Tschick“ Tschichatschow (Anand Batbileg) als neuer Klassenkamerad auf. In den Ferien, während die Mutter in der Entzugsklinik und der Vater mit seiner Assistentin auf „Geschäftsreise“ ist, verbringt der 14-jährige Maik Klingenberg die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, stammt aus dem tiefsten Russland, kommt aus einem der Hochhäuser in Berlin-Marzahn – und hat einen geklauten Lada dabei. Damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende ostdeutsche Provinz. Die Geschichte eines Sommers, den wir alle einmal erleben. Der beste Sommer von allen!

Der Beginn einer guten Freundschaft…

Filmkritik:

Endlich mal wieder ein frischer, großartiger Film im deutschen Kino. Der Kult-Regisseur Fatih Akin weiß genau, wie err mit jungen Darstellern arbeiten muss. Es geht um Freundschaft und mehr, dazu tolle Filmmusik. Es macht einen Riesenspaß den Film im Kino anzuschauen und begeistert sehr. Eine sehenswerte, erfolgversprechende Romanverfilmung.

Den Erfolgs-Regisseur Fatih Akin traf ich im Hotel de Rome in Berlin Mitte zur Interview.

Kamuran Egri: Mein Glückwunsch zum Film, er hat mir sehr gefallen.

Fatih Akin: Danke!

Kamuran Egri: Wie bist du zu diesen Film gekommen?

Fatih Akin: Ich habe es 2011 zum ersten Mal gelesen und es hat mir sehr gut gefallen. Da wollte ich es drehen. Ich mag Bücher und solche Jugendfilme gerne, sowie (Stand by me). Das war ein Roman und habe mich darum beworben, doch der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf war sehr krank und hatte Krebs und ist gestorben. Da sollte eigentlich ein anderer Regisseur den Film machen, doch da kriegte ich ein Anruf, die konnten sich nicht einigen und ob ich den Film machen würde? Da habe ich ja gesagt.

Kamuran Egri: Was für Erfahrungen hast du hierbei gesammelt?

Fatih Akin: Ich habe festgestellt, ich muss nicht unbedingt Türken-Sachen machen. Das war auch gut, dass ich das beweisen kann und ich kann auch einen deutschen Roman nehmen. Normalerweise produziere ich und schreibe Drehbücher, aber das habe ich komplett wie das sich gehört als engagierter Regisseur gemacht und das mache ich jetzt oft.

Kamuran Egri: Wie war die Zusammenarbeit mit den Darstellern?

Fatih Akin: Es hat mir großen Spaß gemacht. Ich habe selber zwei Kinder, meine Tochter ist 4 und der Sohn ist 11. Mit Kindern komme ich gut klar. Ich habe keine Angst mit Kindern zu arbeiten. Man arbeitet anders mit Kindern, du darfst drei Stunden drehen und musst sie schonen.

Den Darstellern habe ich gleich gesagt, ich habe keine Vorbildfunktion für euch, keine Vaterrolle und ich bin nicht euer Freund, sondern bin euer Regisseur. Ich saufe, ich rauche und fluche. Ich werde mich nicht zurücknehmen nur weil ihr Kinder seid.

Kamuran Egri:  Wie siehst du die Beziehung zwischen Maik und seine Mutter?

Fatih Akin: Ich wollte nicht, dass es ein Sozialdrama wird. Sie ist Alkoholikerin, aber das ist nicht das Schlimmste der Welt. Man kann seine Mutter trotzdem lieben und die Mutter kann das Kind trotzdem lieben. Es ist kein Problemverhältnis, denn so ist es in dem Buch auch nicht. Aber er ist ein Scheidungskind, denn die Eltern lassen sich scheiden. Es war mal interessant an einer Patchwork-Familie zu arbeiten. Ich bin kein Scheidungskind und meine Kinder sind auch keine Scheidungskinder, aber wir sind umgeben von Scheidungskindern.

Kamuran Egri:  Wie siehst du die Freundschaft zwischen Tschick und Maik?

Fatih Akin:  Beste Freunde! Der eine ist schwul und der andere nicht und das geht trotzdem. Es stand im Buch, dass es Erwartungen und Klischees bricht.

Kamuran Egri: Die Filmmusik, spielt die eine große Rolle für dich?

Fatih Akin: Der Autor war gut und hat auch Musik von Richard Kleidermann genommen und das kommt gut an. Sonst ist die Filmmusik so wie immer, was die Figuren im Radio hören und was ich gerne höre, denn es muss mir auch gefallen. Für mich war es hier wichtig, dass es keine deutsche Musik ist, denn es ist ein deutscher Roman. Kino ist zweidimensional und wenn du eine Musik nimmst und dazu packst, dann ist es dreidimensional. Z.B. Wenn du ein Kind weinen siehst und Leinwand Chaplin dazu mit Filmmusik dazu, dann weinst du. Das machst du, wenn Audio und Musik zusammen kommen und das animiert sich nochmal. Das ist die dritte Dimension und daran glaube ich und damit arbeite ich auch.

Kamuran Egri:  Wie schwer war das für dich den Film Cut in der Türkei zu drehen?

Fatih Akin:  Die größte Schwierigkeit war eigentlich nicht so wie die Türken es empfanden, es gab schon Morddrohungen von kleine Gruppen und man machte großes Theater daraus. Die größte Schwierigkeit war, der Film hat vielen nicht gefallen und die Nummer ist nicht gut gelaufen und wurde heftig von allen Seiten kritisiert nur von wenigen Armeniern in der Türkei, aber ansonsten vom Rest der Welt zerrissen und das war der teuerste Film, den ich gemacht habe mit fünf Jahren Arbeit. Ich bin ein extremer Typ. Alles was ich mache, will ich ganz machen oder gar nicht.

Kamuran Egri: Hast du in deiner Jugend auch solche Abenteuer erlebt?

Fatih Akin: Nein, ich komme aus einer guten Elternfamilie und habe mich nicht getraut abzuhauen.

Kamuran Egri: Was ist dein nächster Filmprojekt?

Fatih Akin: Ich drehe jetzt einen Film (Aus den nichts) mit Diana Krüger in der Hauptrolle, aber auch Leuten wie Dennis Moschitto und Numan Acar. Das wird wieder mein Ding in meiner Welt und das wird ein Thriller werden. Es geht um Frauen der Gerechtigkeit und das Drehbuch ist gut.

„Tschick“ startet ab 15. September in den Kinos!

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