Kehrtwende im türkischen Fußball

Der gescheiterte Staatscoup im Juli und die prekäre finanzielle Lage vieler türkischer Vereine scheinen das traditionelle Kommen und Gehen internationaler Fußball-Stars im Sommer deutlich beeinträchtigt sowie möglicherweise auch zu einem Umdenken bei den Klubs geführt zu haben.

Anders als noch in den vorherigen Saisons in denen klingende Namen wie Eto´o, van Persie, Nani oder Podolski direkt von europäischen Spitzenvereinen den Weg in das türkische Oberhaus fanden, war es in diesem Transferfenster diesbezüglich vergleichsweise ruhig.

Mit der Rückkehr von Mario Gomez in die Bundesliga und Europameister Nani nach Spanien verließen gar zwei der bekanntesten Zugpferde die Süper Lig. Die politische Lage spielte, wie mehrmals vom Spieler selber betont, eine wichtige Rolle beim Transfer von Mario Gomez zum VfL Wolfsburg.

Der Wechsel des 28-jährigen Portugiesen Nani zum FC Valencia war hingegen mit einer Ablöse von 8,5 Millionen Euro auch gleichzeitig der größte Deal dieses Sommers im türkischen Fußball.

Obwohl derzeit im internationalen Klubfußball fast täglich Transfer-Rekords gebrochen werden, scheint der türkische Fußball seine besten Tage lange hinter sich zu haben. Sowohl bei den Einkäufen wie bei den Verkäufen konnten die Vereine frühere Bestmarken nicht einmal annähernd erreichen.

Der Transferrekord in die Türkei stammt noch immer aus dem Jahr 2000 als der brasilianische Goalgetter Mario Jardel für 17,05 Millionen Euro vom FC Porto zu Galatasaray Istanbul wechselte. Auch die Rekord-Ablöse für einen Abgang aus der Türkei, stammt noch aus der Jahrtausendwende, als der Bosnier Baljic für 15,6 Millionen Euro von Fenerbahce zu Real Madrid ging. Inzwischen wurde dieser Rekord eingestellt. Für 16 Millionen Euro verkaufte Fenerbahce Moussa Sow in die Vereinigten Arabischen Emirate, um ihn dieser Spielzeit ohne Leihgebühr zurückzuholen.

Diese Entwicklung spiegelt auch die jüngsten Tendenzen des türkischen Fußballs gut wider. Gelang den Türken bei der WM 2002 noch der Sprung auf das Podest und 2008 bei der EM ein vierter Platz, so konnte sich das Land nur mit Ach und Krach für die Europameisterschaft in Frankreich qualifizieren, wo nach zum Teil desolaten Leistungen schon in der Gruppenphase Schluss war.

Auch der türkische Klub-Fußball hat schon bessere Tage erlebt. Erreichten die türkischen Großklubs früher oftmals in den europäischen Bewerben Achtungserfolge wie den Sieg des UEFA-Cups durch Galatasaray in der Saison 1999/00, so gab es auf internationaler Ebene zuletzt wenig zu feiern.

Nach einer Sperre wegen Spielmanipulation scheiterte Fenerbahce bereits zwei Mal an der Qualifikation für die Champions League, wo auch Galatasaray zuletzt nicht zu überzeugen wusste.

Dieser stille Niedergang des türkischen Fußballs ist einerseits das Ergebnis einer inkonsequenten Nachwuchsarbeit und andererseits der finanziellen Schwierigkeiten vieler Klubs als Folge der wirtschaftlichen sowie politischen Situation des Landes.

Gleichzeitig könnte sich genau diese Krise aber für den türkischen Fußball als große Chance erweisen, denn statt alternde Fußball-Stars zu verpflichten, die bereits schon lange den sportlichen Zenit überschritten haben, wurden im Sommer einige Spieler mit enormem Entwicklungspotential wie der 24-jährige Kolumbianer Fabian Castillo oder der Brasilianer Talisca für verhältnismäßig wenig Geld in die Süper Lig gelockt. Auch türkische Talente wie Kerim Frei oder Oğuzhan Özyakup bekommen, anders als früher, vermehrt die Gelegenheit ihr Können zu beweisen.

Dies gibt Hoffnung, dass dem türkischen Fußball bald die Wende gelingen könnte und er neben der portugiesischen Liga NOS und der französischen Ligue 1 bald wieder seinen angestammten Platz hinter den Top 4 Ligen des Kontinents einnehmen wird.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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