7.000 Menschen bei der 5. Langen Nacht der Religionen

Es war ein kleines Jubiläum – zum 5. Mal fand in Berlin die Lange Nacht der Religionen statt. 90 Gotteshäuser öffneten an diesem Abend ihre Türen und empfingen an die 7.000 Menschen, die mehr über Religionen erfahren wollten. Ein Erfolg, sagt Koordinator Dr. Thomas M. Schimmel.

Ziel der Langen Nacht der Religionen sei, Menschen über Religion und Glauben ins Gespräch zu bringen, betont Thomas M. Schimmel Koordinator des Initiativkreises der Langen Nacht der Religionen. Dies habe auch bei dieser Langen Nacht geklappt. „Die Stimmung war überall gelassen und fröhlich“ schätzt Dr. Thomas M. Schimmel, die Atmosphäre des Abends ein. „Die Menschen hatten großes Interesse daran, wie Muslime, Buddhisten, Juden, Christen oder Sikhs ihren Glauben leben und wie sich in unsere Gesellschaft einbringen“ resümiert Schimmel. Mit Ausstellungen, Konzerten, Führungen, Gottesdiensten, Meditationen oder Gesprächsangeboten informierten die verschiedenen Gemeinschaften die zahlreichen Besucherinnen und Besucher über ihre Religionen und ihre gesellschaftspolitische Arbeit.

Eröffnet wurde die Lange Nacht der Religionen am Mittag mit einem interreligiösen Gebet in der Französischen Friedrichstadtkirche. Etwa 100 Menschen lauschten auf Einladung der Sufi-Bewegung und der Französischen Gemeinde Lesungen aus den Schriften des Judentums, Sikhismus, Buddhismus und Christentum.

Die anschließend auf dem Gendarmenmarkt stattfindende Weiße Tafel der Religionen lockte ab 13.00 Uhr an die 200 Menschen an. Auch viele Passant*innen und Tourist*innen setzten sich an den ca. 25 m langen Tisch, der Konzerthaus und Französischen Dom verband. Wie in den letzten Jahren sorgte die Sikh-Gemeinde aus Reinickendorf wieder für das Essen. Brasilianische Candomblé- und eine internationale Gruppe von Sufi-Musiker*innen machten spontan Musik. „Wenn Friede, Freude, Eierkuchen nicht so einen negativen Beigeschmack hätte, wäre diese Wortreihung eine gute Beschreibung“ sagt Thomas M. Schimmel. Über alle Religionsgrenzen hinweg sprachen die Menschen miteinander, lachten und fühlten sich sichtlich wohl. „Die Weiße Tafel der Religionen war wieder ein Zeichen für den friedlichen und offenen Umgang der Menschen unterschiedlichster Religion“ so Thomas M. Schimmel

Bis zum späten Abend fanden im ganzen Stadtgebiet Veranstaltungen in verschiedenen Gotteshäusern statt. „Die Besucherinnen waren sehr neugierig“ berichtet Ranjit Kaur von der Sikh-Gemeinde und Vorsitzende des Berliner Forums der Religionen e.V. Über 50 Menschen besuchten den Sikh-Tempel in Reinickendorf und erlebten einen typischen Gottesdienst und den Gesang von Hymnen aus dem heiligen Buch „Guru Granth Sahib“.

In der Şehitlik Moschee hatte die interreligiöse Organisation „Treffpunkt Religion und Gesellschaft“ zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Was können Religionsgemeinschaften zum Thema Integration beitragen“ eingeladen. Das prominent besetzte Podium diskutierte diese aktuelle Frage beherzt und kontrovers. Dr. Gerdi Nützel von der Initiative „Religionen auf dem Weg zum Frieden“ schätzt an der Langen Nacht der Religionen diese Vielfalt von Themen und Angeboten: „Das Einzigartige an der Langen Nacht der Religionen ist, dass die ganze Spannbreite religiösen Lebens in der Stadt für sowohl für religiös eher distanzierte Neugierige als auch für Insider immer wieder neu erfahrbar wird. Dies reicht von der spürbaren Kraft religiöser Riten wie der afrobrasilianischen Anrufungen göttlicher Energien im Friedensgebet zur Eröffnung bis hin zur engagierten Diskussion über die praktischen aber auch spirituellen Herausforderungen an die verschiedenen Religionsgemeinschaften angesichts der jetzigen Herausforderung durch die Zuwanderung von Flüchtlingen, wie ich sie in der Şehitlik-Moschee heute Abend erlebte.“

Tabea Perger, die Mitglied im Initiativkreis der Langen Nacht der Religionen ist, antwortet auf die Frage, was das Besondere an dieser Langen Nacht der Religionen war: „Die Lange Nacht der Religionen hat gezeigt, wie selbstverständlich Menschen verschiedener Religion miteinander umgehen können. Es gibt keine Konkurrenz, aber es gibt ein tiefe Verständnis und gegseitigen Respekt auch über die thelogischen oder dogmatischen Differenzen hinweg“.

Die 5. Lange Nacht der Religionen endete mit einem interreligiösen Gebet um 23.00 Uhr auf dem Gendarmenmarkt. Auch hier wurde noch einmal deutlich, dass sich die Religionen in Berlin für Frieden und Zusammenhalt einsetzen. Hindus, Muslime, Christen, Pagane, Buddhisten und Sikhs trugen Texte aus ihren Traditionen vor, die zum friedlichen Zusammenleben aufrufen. Die nächste Lange Nacht der Religionen findet am 25. Mai 2016 statt.

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