Finanzen: Topvereine mit gemischten Zahlen

Die vier türkischen Topvereine haben ihre Zahlen für das Sommerquartal vorgelegt. Während Beşiktaş und Fenerbahçe einen Gewinn verbuchten, musste Trabzonspor mächtig tricksen. Galatasaray wiederum hofft auf den großen Befreiungsschlag.

Die vier türkischen Topvereine sind allesamt an der Börse notiert. Dementsprechend müssen sie für jedes Quartal ihre Bilanz und ihre Gewinn- und Verlustrechnung präsentieren. Dieses erste Quartal (1. Juni bis 31. August 2016) ist wie üblich von der Transferperiode und dem Start in die neue Saison geprägt. Auch deshalb konnte Beşiktaş die besten Quartalszahlen vorlegen. Als einziger Klub wies der Meister einen substanziellen Gewinn aus. Insgesamt gibt es da aber nichts schönzureden. Zusammen nahmen die Topvereine 339,9 Millionen türkische Lira in diesen drei Monaten ein. Umgerechnet sind das 99,4 Millionen Euro. Das sind noch einmal knapp 9% weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Negativtrend hält also an, allerdings hat er sich merklich verlangsamt. Unterm Strich gibt es klare Verbesserungen. So schrumpfte der kumulierte Verlust der vier Vereine auf -18,68 Millionen TL (-5,5 Mio. €) zusammen. Im Vorjahreszeitraum hatte man noch ein Minus von 165 Millionen TL ausgewiesen. Hier die Übersicht:

Beşiktaş mit sattem Gewinnsprung.

Der türkische Meister setzt seinen Konsolidierungskurs fort. Bis 2018 könne man schuldenfrei werden hatte man auf der letzten Versammlung angekündigt. Diesem Ziel kommt man langsam näher. Zwischen Juni und Ende August fuhr der Klub jedenfalls einen satten Gewinn von 38,6 Millionen TL ein, also etwa 11,3 Millionen Euro. Zudem konnten die Umsatzeinnahmen um ein Drittel auf knapp 149 Millionen TL (43,4 Mio. €) erhöht werden. Als Gründe kann der Verein Transfereinnahmen aus den Verkäufen von Spielern wie Jose Ernesto Sosa oder die Leihe von Gökhan Töre anführen. Zudem hat man wieder sehr sparsam eingekauft und das Personalbudget niedrig gehalten. Hinzu kommt, dass die Adler bei den Trikotverkäufen zulegen konnten und Zusatzeinnahmen durch den Verkauf von Dauerkarten und VIP-Logen in diesem Zeitraum verbuchen konnten. Die Einnahmen aus der Champions League fließen erst ab September, so dass beispielsweise das Startgeld in Höhe von 12 Millionen Euro erst im zweiten Quartal verbucht wird. Da werden auch fünf der sechs Partien in der Königsklasse stattfinden, so dass auch das zweite Quartal sehr gut ausfallen dürfte. Die Zahlen werden in dieser Saison aber auch deshalb so gut aussehen, weil ein Jahr zuvor durch den Bau der Arena praktisch keine Zuschauereinnahmen vorhanden waren und nur wenig Merchandising-Umsätze generiert wurden. Freilich: Um in zwei Jahren schuldenfrei zu sein, muss der Verein sich auch für die Gruppenphase der kommenden Champions League-Saison qualifizieren. Das bleibt somit nicht nur das sportliche Ziel. Allerdings gibt es auch beim Meister Misstöne. Das stimmberechtigte Mitglied Yalçın Karadeniz hatte behauptet, dass der tatsächliche Schuldenberg nicht 1,5 Milliarden TL, sondern 2,35 Milliarden TL betrage. Allein aus der Bilanz kann man solche Abweichungen nicht ablesen. Sollte es stimmen, wäre das Bilanzbetrug. Karadeniz hat sich jedenfalls weit aus dem Fenster gelehnt, denn diese Zahlen nannte er Anfang September in einem öffentlichen Brief an alle Mitglieder des Traditionsvereins.

Fenerbahçe im grünen Bereich

Die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung bei Fenerbahçe ist wie immer etwas komplizierter. Zahlreiche Tochtergesellschaften laden gerade dazu ein, ein wenig, aber völlig legal, die ausgewiesenen Zahlen zu „verschönern“. Für dieses erste Quartal wies der Vizemeister einen kleinen Gewinn von 7,9 Millionen TL (2,3 Mio. €) aus. Dabei sind die Einnahmen deutlich gesunken. Die Umsätze gingen um knapp 17% auf rund 100 Millionen TL zurück. Es ist lange her, dass die Kanarien bei den Umsätzen so deutlich hinter Beşiktaş lagen. Die Rückgänge dürften vor allem mit den Fan-Protesten zusammenhängen. Präsident Aziz Yıldırım befindet sich im Dauerclinch mit einigen Fangruppen, die aus Protest nur noch bei Auswärtspartien dabei sind. Das macht sich auch bei den Fenerium-Shops bemerkbar. Hier gingen die Einnahmen um grob ein Viertel auf 25,7 Millione TL zurück, der Gewinn brach um satte 72% auf 900.000 TL ein. Sportlich ist man zumindest gut in die Europa League gestartet. Wie bei den Adlern dürften also im zweiten Quartal hier Einnahmen verbucht werden können. Dagegen muss man wohl die Abfindung für den geschassten Cheftrainer Vitor Pereira rechnen, die recht üppig ausgefallen sein dürfte. Fenerbahçe muss die Fans wieder in seine Arena locken, dann kommt man auch ohne Tricksereien in den grünen Bereich.

Galatasaray hofft auf Befreiungsschlag

Bei den Löwen hofft man auf den großen Befreiungsschlag. Präsident Dursun Özbek schielt auf eine „Mega-Finanzspritze“ (Gazetefutbol berichtete), in dem man die vereinseigenen Grundstücke in Riva verkauft. Der Klubboss hat dafür mächtig getrommelt und hofft so die kompletten Schulden auf einen Schlag loszuwerden. Das würde sich auch in der Gewinnrechnung sofort bemerkbar machen, denn Galatasaray zahlt jährlich alleine an die Banken Zinsen von mehr als 40 Mio. US-Dollar. Wie viel das Grundstück wert ist, darüber gibt es große Diskussionen. Özbek darf aufgrund des Börsenrechts keinerlei Zahlen nennen, so dass die Presse munter spekulieren kann. 3Puan glaubt, dass Riva und Florya zusammen 860 Millionen US-Dollar wert wären. SporEkonomi geht von 500 Millionen US-Dollar allein für Riva aus. Ganz falsch dürfte man damit nicht liegen. Fakt ist: Die Flächen in Riva haben durch die neue Bosporus-Brücke und den in Bau befindlichen Flughafen erheblich an Wert gewonnen. Galatasaray soll Anfang der 1970er 100.000 Lira dafür bezahlt haben. In der Bilanz steht das Grundstück ohnehin nur noch mit einem TL. Der Gewinn wird also gewaltig sein. Derzeit ist vor allem der Verlust groß. Im ersten Quartal fuhren die Löwen ein Minus von knapp 62 Millionen TL (18,1 Mio. €) ein. Zudem brachen die Einnahmen um mehr als die Hälfte auf rund 46,3 Millionen TL (13,5 Mio. €) weg. Manche glauben, dass der Start ins Geschäftsjahr schon so schlecht war, dass die UEFA die Sperre für den Europapokal auf eine zweite Saison ausdehnen wird. Die Investoren scheinen nicht dieser Meinung zu sein und schielen vor allem auf den Verkauf von Grundstücken. Allein im September legt die Aktie des Rekordmeisters deshalb um knapp 56% zu. Es ist der zweithöchste Kursgewinn in einem Monat seit dem Börsengang. Ende Oktober werden wir wissen, ob diese Hoffnung berechtigt war.

Trabzonspor trickst mit Namensrechten

Eine Bilanz lässt immer viel Spielraum für die kreative Entfaltung. Trabzonspor hat diesen Spielraum im abgelaufenen ersten Quartal genutzt. So hat man seine eigenen Namensrechte an sich selbst – de facto an eine verbundene Gesellschaft – verkauft und so einen Sondererlös von 32 Millionen TL für das erste Quartal im neuen Geschäftsjahr ausweisen können. Ohne diesen Trick wären die Gesamteinnahmen um etwa 45% zurückgegangen. So aber konnte man einen Umsatzanstieg um 86% auf 45,2 Millionen TL ausweisen. In Summe verbuchte der Klub ein kleines Minus von 2,85 Millionen TL. Im Vorjahreszeitraum waren es noch -35 Millionen TL gewesen. Wie die Adler in der Vorsaison wartet der Schwarzmeerklub auf die Eröffnung der neuen Akyazı-Arena. Erst dann dürften sich die Einnahmen einigermaßen stabilisieren. Allerdings steht dem die sportliche Talfahrt entgegen. Auf jeden Fall muss Präsident Muharrem Usta eine Lösung für die Schulden finden. Die Finanzverbindlichkeiten betrugen per Ende August 277,6 Millionen TL, also knapp 81 Millionen Euro. Über alle Darlehen hinweg zahlt der Verein einen durchschnittlichen Kreditzins von 15,82%. Hieran muss Usta arbeiten, sonst wird der Klub immer tiefer in den Schuldensumpf gezogen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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