Emre Mor, BMW i8 und Honig!

Emre Mor zählt zu den talentiertesten Nachwuchsspielern der Welt. Momentan sind die Leistungen im Schatten seines streitsüchtigen Auftretens. Welche Probleme hat der BVB-Star? Die Kolumne von GazeteFutbol-Redakteur Hüseyin Yilmaz.

„Der türkische Messi“- unter diesem Etikett firmiert der 19-jährige Emre Mor. Die spanische Sportzeitung „AS“ widmete ihm noch neulich einen Platz unter den zehn talentiertesten Spielern in Europa. Im letzten Länderspiel gegen die Ukraine (2:2) zählt die Statistikplattform „Opta“ zehn erfolgreiche Dribblings – also ein Spielertyp, den das heutige Fußballzeitalter des kontinuierlichen Passspiels nicht mehr oft auf seiner Schaubühne präsentiert. Vieles deutet daraufhin, dass die Türkei einen neuen Weltklasse-Fußballer in ihren Reihen hat, der im skandinavischen Dänemark ausgebildet wurde. Genug gelobt. Seit einigen Wochen sticht Mor als streitsüchtiger Teenager auf dem Platz hervor. Nach jeder Aktion lamentiert er beim Schiedsrichtergespann und wirkt verspannt. Während den Länderspielen ging das ständige Gemecker los, am Freitag folgte daraufhin sein erster Platzverweis nach einer Tätlichkeit gegen Hertha BSC (1:1). Irgendwas läuft schief, doch was?

„Von Null auf 100 in vier Sekunden!“

Dass die Showeinlage von Hertha-Kapitän Sebastian Langkamp unter aller Kanone war, sei vorerst außen vor gelassen. Kommen wir zu seiner Rolle in der Nationalmannschaft. Trainer Fatih Terim steht nach der enttäuschenden Europameisterschaft mit dem Rücken zur Wand. Die privaten Probleme mit namhaften Spielern machen dem „Imperator“ zu schaffen. Arda Turan vom FC Barcelona wird sogar nicht mehr in den Kader einberufen. Emotionale Türken sehen im Fadenkreuz der Kontroversen in Mor den neuen Superstar für ihr Land, dieser ist gerade mal 19 und saß in der dänischen Alka Superligaen noch vor elf Monaten auf der Bank. Sein Karrieresprung ähnelt den Eigenschaften des neuen i8 vom Autohersteller BMW: „Von 0 auf 100 in vier Sekunden!“ Und genau hinter dieser Tatsache verbergen sich Probleme.

„Biene, Honig, Mor“

Geduld ist ein Fremdwort in der Türkei. Junge Spieler bekommen das täglich zu spüren. Obwohl ein 19-jähriger „Bursche“ in anderen Nationen Schritt für Schritt in das Mannschaftsgefüge integriert wird, avanciert Mor unter Terim direkt zum Stammspieler. Alle Blicke sind auf ihn gerichtet, der Teenager muss Duelle entscheiden und das Land auf die Erfolgsschiene steuern. Vor allem muss er die Star-Lücke nach Turan gemeinsam mit anderen Legionären schließen. Genug Erwartungen, um ein hohes Maß an Druck zu spüren. Die Türkei startet wieder unterdurchschnittlich in die Quali-Runde. Obwohl der 1,68-Meter-Mann meistens zu den guten Spielern in den drei Spielen bei „Halbmond und Stern“ gehört, stellt ihn die gnadenlose Öffentlichkeit der Türkei an den Pranger. „Er braucht einen eigenen Ball. Für die Mannschaft tut Mor rein gar nichts. Der Junge ist wie eine Biene, die keinen Honig produziert“, denunzieren vermeintliche Fußballexperten in türkischen Sportsendungen.

Mor-Schubser an Langkamp vielleicht doch ein Appell an die Öffentlichkeit?

Mor ist in seiner Situation völlig überfordert, vielleicht ist er auch ein Opfer der Überheblichkeit geworden in den letzten Wochen. In Worte gefasst drückt er mit seinem Schubser an Langkamp eines aus: „Lasst mich einfach weiterentwickeln!“ Thomas Tuchel muss in den kommenden Wochen Probleme lösen, die man in Konya und Rejkjavik geschaffen hat. Doch das sollte keine Mammut-Aufgabe für einen Trainer der Superlative sein. Immerhin ist er der Chefcoach von Borussia Dortmund, die vielleicht größte Talentschmiede in Europa. Oder wird es für ihn doch ein Problem?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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