Depression: Früherkennung mit App

Die Moodpath App ermöglicht einen interaktiven und mobilen Selbsttest, der aufzeigen könnte, ob man an Symptomen einer Depression leidet.

Als App kostenlos und anonym auf dem iPhone in D/A/CH verfügbar. (Foto: obs/Mindrise Labs GmbH)

Als App kostenlos und anonym auf dem iPhone in D/A/CH verfügbar. (Foto: obs/Mindrise Labs GmbH)

Allein in Deutschland leiden rund sieben Millionen Menschen pro Jahr an einer behandlungsbedürftigen Depression. Den dadurch verursachten Schaden schätzt das Statistische Bundesamt auf über 15 Milliarden Euro. Einer der Hauptgründe, warum weniger als 10 Prozent der Betroffenen den Weg in die Psychotherapie finden, ist die Unsicherheit bei den Betroffenen, ob eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt oder ob es sich nur um ein vorübergehendes Stimmungstief handelt.

Die Moodpath App ermöglicht einen interaktiven und mobilen Selbsttest, der dem Nutzer durch Fragen zum psychischen und körperlichen Wohlbefinden eine fundierte Einschätzung zu dessen psychischer Gesundheit gibt und Symptome einer Depression erkennt.

„Unser Ziel ist es, der akuten Unterversorgung bei der Früherkennung und Aufklärung zu psychischen Erkrankungen entgegenzuwirken und Betroffenen eine niedrigschwellige, digitale Lösungen an die Hand zu geben. Deshalb ist die Nutzung unserer Moodpath App einfach und intuitiv verständlich, kostenlos und 100 Prozent anonym“, sagt Mitgründer Felix Frauendorf.

Das 14-tägige Screening ist die zentrale Funktion der App. Dreimal am Tag erhält der Nutzer Fragen zu seiner aktuellen Stimmung. Das Screening passt sich dabei stets an das Antwortverhalten des Nutzers an. Parallel zum Screening erhält der Nutzer im Bereich „Wissen“ jeden Tag spielerisch aufbereitet und einfach verständlich Informationen, wie man eine Depression erkennt, wie sie ausgelöst und behandelt werden kann. „Diese Aufklärung und Wissensvermittlung hilft dem Nutzer beim Reflektieren der eigenen Stimmung und ist wichtiger Bestandteil einer regulären Psychotherapie“, sagt Mitgründer und klinischer Psychologe Mark Goering.

Nach den 14 Tagen erhält der Nutzer die Ergebnisse seines Screenings und damit die Gewissheit, ob Symptome einer Depression vorliegen oder nicht. Falls Hinweise auf eine behandlungsbedürftige Depression vorliegen, empfiehlt die App das Aufsuchen eines Arztes oder Psychotherapeuten. Für ein Erstgespräch mit diesen kann sich der Nutzer die gesammelten Informationen als pdf-Dokument ausdrucken oder direkt an den Arzt oder Therapeuten schicken. Darüber hinaus kann der Nutzer ein Beratungsgespräch mit einem Psychologen von Moodpath buchen, um mehr über sein Ergebnis und mögliche Behandlungswege zu erfahren.

Moodpath richtet sich grundsätzlich an jeden, der sich emotional belastet fühlt und befürchtet, an Depression oder Burnout zu leiden. Das Moodpath Screening wurde in enger Kooperation mit dem Arbeitsbereich für Klinisch-Psychologische Intervention an der Freien Universität Berlin entwickelt und getestet. Die Ergebnisse der Studie sollen Ende des Jahres veröffentlicht werden.

Moodpath ist nicht die einzige App, die sich mit Depressionen beschäftigt. Ein Forscherteam der Northwestern University in Chicago hat eine App entwickelt, die genau dabei helfen könnte. Neben Apps zur sportlichen Betätigung oder Anwendungen, die vor zu hoher Strahlung warnen, gibt es auch bereits Apps, die sich mit dem Thema Depression befasst haben. Allerdings wurde in diesem Fall meist auf eine regelmäßige und zeitintensive Befragung gesetzt.

Die App der Chicagoer Wissenschaftler benötigt dafür die GPS-Daten und die Nutzungszeiten des Handybesitzers. Für die Studie wurden 40 Erwachsene damit beauftragt, ein Handy mit der App (Purple Robot) zwei Wochen zu nutzen. Zu Beginn der Studie unterzogen sich die Probanden einem psychologischen Standardtest, in dem ermittelt wurde, ob sie Anzeichen für eine schwere bis mittlere Depression aufweisen – die Hälfte der Teilnehmer hatte tatsächlich eine Depression dieser Art. Unabhängig davon analysierten die Wissenschaftler zwei Wochen lang die entsprechenden Daten von 28 der Probanden. So wurde beispielsweise alle fünf Minuten die Position der Probanden über den GPS-Sensor übermittelt.

Tatsächlich konnten die Wissenschaftler anhand der analysierten Daten mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von 87 Prozent die an Depression leidenden Teilnehmer erkennen, da es deutliche Unterschiede in der Handynutzung und bei den GPS-Daten gab. Die gesunden Teilnehmer nutzten ihr Handy durchschnittlich 17 Minuten pro Tag, die depressiven Probanden im Schnitt 68 Minuten und damit deutlich länger.

Die von der App gesammelten und analysierten Daten „zeigten Verhaltensmuster, die stark mit der Schwere der depressiven Symptome zusammenhängen“, so die Wissenschaftler. Die Forscher gehen demnach auch davon aus, dass Depressive mehr Zeit mit Spielen und Surfen verbringen als mit Telefonieren. Sie lenken sich damit von unangenehmen Gedanken ab, ein Vermeidungsverhalten. Zudem wurde deutlich, dass die depressiven Teilnehmer mehr Zeit an ein und demselben Ort verbrachten – überwiegend zu Hause. Die Wissenschaftler wollen die entwickelte App, wenn sie ausgereift ist, entsprechend nutzen, um Menschen wie ein Frühwarnsystem vor einem neuen depressiven Schub zu warnen.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.