Rocker-Szene: Osmanen Germania und Bahoz befinden sich im Krieg

In Hessen tobt ein Krieg zwischen türkischen und kurdischen Rockern. BKA-Chef Holger Münch äußert sich alarmiert.

Die Rocker-Gruppe Osmanen Germania Boxclub (BC). (Screenshot)

Die Rocker-Gruppe Osmanen Germania Boxclub (BC). (Screenshot)

In Hessen tobt zwischen der deutsch-türkischen Rocker-Gruppe Osmanen Germania und der deutsch-kurdischen Rockergruppe Bahoz ein Rocker-Krieg. Nach Angaben des Rocker-Analysten Stefan Schubert sollen die Mitglieder von Bahoz enge Beziehungen zur PKK haben. Sie seien kriminell und im Rotlichtmilieu aktiv. „Sie tauchen regelmäßig mit 100, 200 Leuten auf, marschieren durch eine Innenstadt und rufen Parolen“, zitiert op-online.de Schubert.

Die Mitglieder von Osmanen Germania hingegen sollen nach Angaben der Polizeibehörden „eher autark“ agieren, doch sie seien ideologisch den „Grauen Wölfen“ zuzuordnen. Allerdings gebe es keine strukturelle Zusammenarbeit zwischen den Grauen Wölfen und Osmanen Germania. Die Polizei in Hessen konnte nach Angaben von Innenminister Peter Beuth mehrere Auseinandersetzungen zwischen Osmanen Germania und Bahoz verhindern. Nach Einschätzung des Landeskriminalamts umfasst die Rockerszene in Hessen rund 700 Menschen, die vier Gruppen zugeordnet werden. Im Fokus der Ermittler stehen sie vor allem wegen Rauschgiftdelikten und kriminellen Aktivitäten im Türsteher- und Rotlichtmilieu. Zwischen den beiden Gruppen tobt auch in allen anderen Bundesländern ein Rocker-Krieg.

 

Die Rocker-Szene gilt deutschlandweit als besonders gefährlich. Mitte Oktober hatte das Hamburger Landgericht fünf junge Männer zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und fünfeinhalb Jahren verurteilt. Sie sollen einen Mongols-Rocker schwer misshandelt haben. Nach Überzeugung der Strafkammer hatten die Angeklagten Anfang Januar den 26 Jahre alten Rocker in eine Gartenlaube gelockt und ihn gefoltert. Die drei Hauptangeklagten im Alter von 24, 25 und 21 Jahren hätten sich der gefährlichen Körperverletzung und Freiheitsberaubung schuldig gemacht, die übrigen der Beihilfe. Das genaue Motiv konnte das Gericht nicht aufklären, hielt aber einen Zusammenhang mit Rivalitäten zwischen den Rockergruppen der Hells Angels und Mongols für naheliegend.

Während der Urteilsverkündung erlitt eine Zuschauerin einen Schwächeanfall, es kam zu einem Tumult, so die dpa.

Zuvor wurde der Gießener Hells Angels-Chef Aygün Mucuk von 16 Pistolenschüssen tödlich getroffen. Begleitet von Angehörigen und zahlreichen Rockern wurde der Erschossene am 12. Oktober 2016 beigesetzt. Rund 1.000 Menschen kamen nach Angaben der Polizei am Mittwoch zu der Beisetzung auf einem Gießener Friedhof. Aygün Mucuk wurde dort auf einem muslimischen Gräberfeld bestattet, fünf Tage nach den tödlichen Schüssen auf ihn.

Gut eine Stunde vor der Beisetzung fuhren Dutzende Rocker aus dem In- und Ausland auf ihren Motorrädern vor – beäugt von zahlreichen Schaulustigen. Viele Rocker trugen Kutten mit dem Schriftzug Hells Angels und dem geflügelten Totenkopf-Emblem.

BKA-Chef Holger Münch äußerte sich alarmiert. Rockerkriminalität sei eine wesentliche Form der Organisierten Kriminalität in Deutschland und habe einen hohen Verbreitungsgrad. Die abgeschotteten Strukturen der Rockerclubs seien zum „Erfolgsmodell“ avanciert. Selbst Kriminelle, die gar kein Motorrad führen, ahmten sie inzwischen nach. Das in den Griff zu bekommen, sei eine große Herausforderung, sagte der BKA-Chef. Vereins- und Kuttenverbote hält er für wirksame Instrumente. Damit könne den Rockern das Drohpotenzial genommen werden.

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