Erdogan verlegt Panzer an die Grenze: Irak droht Türkei mit Krieg

Die Türkei hat Panzer an die Grenze zum Irak verlegt und erwägt einen begrenzten Einmarsch. Die US-Koalition hat zum Sturm auf Mossul angesetzt.

Die Türkei hat am Montag mit der Verlegung von Panzern an die irakische Grenze begonnen. Der Schritt stehe im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Terror und den Entwicklungen im Irak, sagte Verteidigungsminister Fikri Isik.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Samstag in Richtung der irakischen Schiiten-Miliz ‚Volksmobilmachung‘ (PMU), die an der Operation auf Mossul und Tal Afar teilnimmt, gesagt: „Tal Afar ist ein turkmenisches Gebiet. Die Hälfte besteht aus Sunniten und die andere Hälfte besteht aus Schiiten. Doch wir machen hier keine konfessionellen Einstufungen. Wenn jedoch die ,Volksmobilmachung‘ dort Terror verbreiten sollte, werden wir darauf antworten. Unsere Zusammenarbeit mit den Peschmerga und den Milizen von Niniveh läuft weiter.“

Ein großer Teil der Bewohner Tal Afars zählen zur Volksgruppe der Turkmenen. Die Türkei befürchtet ihre Vertreibung. Verteidigungsminister Isik sagte, die Türkei sei nicht gezwungen, hinter ihrer Grenze zu warten. Sie werde das Nötige tun, falls die PKK sich in der irakischen Region Sindschar festsetze. Sindschar liegt etwa 115 Kilometer südlich von Silopi und 50 Kilometer westlich von Tal Afar.

Die PMU meldete am Montagnachmittag über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass „jedwede Invasion von Sindschar“ von der PMU abgewehrt werden würde, um den Irak vor der Türkei zu verteidigen.

Die Miliz verwies weiterhin darauf, dass das EU-Parlament mit der Verabschiedung der Resolution No. 2016/2956 der PMU und den anderen irakischen Milizen ihre volle Unterstützung bei der Offensive auf Mossul zugesagt habe.

Das militärische Analyseportal Global Security berichtet über die PMU: „Der Iran stattete in den frühen Tagen des Kriegs gegen ISIS irakische Kräfte und Freiwillige mit Waffen und Munition aus. Iranische Truppen arbeiteten oft mit irakischen Streitkräften. Obwohl sie vom irakischen Innenministerium bezahlt wurden, befanden sie sich in einer iranischen Befehlskette. Der Iran hat die ersten Schritte unternommen, um die Region nach seinen eigenen Vorstellungen neu zu gestalten, indem die irakischen Volksverteidigungskräfte (PMU) im Irak und Syrien aufgebaut wurden. Diese bestehen weitgehend aus lokalen schiitischen Gemeinschaftsmitgliedern und schiitischen Ausländern mit afghanischen und pakistanischen Hintergründen.“

Gut zwei Wochen nach dem Beginn ihrer Großoffensive sind irakische Streitkräfte in die Dschihadisten-Hochburg Mossul eingerückt. Irakische Spezialeinheiten seien am Dienstag bis in das Gebiet Dschudaidat al-Mufti im Südosten der Großstadt vorgedrungen, teilte das irakische Oberkommando mit. Zuvor hatten Eliteeinheiten nach Angaben eines Offiziers das Dorf Gogdschali am östlichen Stadtrand sowie die TV-Station von Mossul unter ihre Kontrolle gebracht.

Damit rückten die Regierungstruppen erstmals seit Sommer 2014 in die Stadt ein, die damals von den Dschihadisten überrannt worden war. „Jetzt ist der Beginn der wirklichen Befreiung der Stadt Mossul“, sagte CTS-Kommandeur Taleb Schegati al-Kenani im irakischen Staatsfernsehen. Auch im Norden und Südwesten der Stadt nahmen die Armee und regierungstreue Milizen mehrere Dörfer ein.

Die Offensive zur Rückeroberung Mossuls vom IS hatte am 17. Oktober begonnen. An ihr sind zehntausende irakische Soldaten und kurdische Peschmergakämpfer im Norden, Osten und Süden der Stadt beteiligt. Sie werden durch Luftangriffe der internationalen Anti-IS-Koalition unter Führung der USA unterstützt.

Seit dem Beginn der Offensive habe die Allianz die Dschihadisten mit knapp 3000 Bomben, Granaten und Raketen attackiert, sagte der Sprecher der Militärkoalition, US-Oberst John Dorrian. Im Westen der Stadt versuchen zudem vom Iran unterstützte schiitische Milizen die Versorgungswege der IS-Kämpfer nach Syrien abzuschneiden.

Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi hatte am Montagabend im Staatsfernsehen verkündet, der Ring um den IS werde von allen Seiten geschlossen. Für die Dschihadisten gebe es keinen Fluchtweg, sie müssten „sterben oder sich ergeben“.

In der Millionenstadt werden mehrere tausend IS-Kämpfer vermutet. Es wird ein schwieriger und langer Häuserkampf bis zur völligen Rückeroberung der Stadt erwartet. Nach UN-Angaben wollen die Dschihadisten auch entführte Zivilisten als menschliche Schutzschilde in Mossul missbrauchen. Befürchtet wird auch, dass die Islamisten in der ganzen Stadt Sprengfallen deponiert haben.

Die Menschenrechtsorganisation Save The Children forderte Fluchtkorridore für die hunderttausenden Kinder in Mossul. Es sei dringend nötig, „sichere Passagen zu öffnen“, damit die in der Stadt lebenden 1,5 Millionen Zivilisten, darunter 600.000 Kinder, die Stadt verlassen könnten, erklärte die NGO.

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