Entdeckt: Das Snowboard wurde in der Türkei erfunden

Das Snowboard ist eine ziemlich junge Erscheinung. Doch die Ursprünge reichen weit zurück. In einem kleinen türkischen Dorf sollen die Menschen diesen Sport bereits seit gut 300 Jahren ausüben.

Das Snowboarden wird in der Türkei seit Jahrhunderten betrieben. (Foto: Flickr/ Flight by M Pincus CC BY 2.0)

Das Snowboarden wird in der Türkei seit Jahrhunderten betrieben. (Foto: Flickr/ Flight by M Pincus CC BY 2.0)

Eine neue Kurz-Dokumentation begibt sich auf die Spuren der Snowboard-Historie, berichtet die türkische Zeitung Sabah. In „Foothills: The Unlinked Heritage of Snowboarding“ erforschen Patagonia-Botschafter Alex Yoder, sein Kollege Nick Russell sowie die beiden Filmemacher Wade Dunstan und David Cleeland einem uralten Brauch in einem entlegenen Winkel der Türkei.

Die Reise führte die Profi-Sportler auf das Petran Plateau. Dieses befindet sich auf einer Höhe von 2.200 Metern. Dort liegt ein kleines Dorf, das einst Petran genannt wurde, aber jetzt als Meşeköy bekannt ist. Hier, im fernen Kaçkar-Gebirge, sind die Menschen seit über 300 Jahren auf selbst gebauten Brettern unterwegs und erkunden unberührte Hänge.

Lazboard oder Petranboard, benannt nach dem Dorf Petran, das es entdeckt hat, ist eine innovative Form des Snowboardens, bei dem ein Lenkseil an einem Holzbrett befestigt ist“, erklärt die türkische Zeitung. Diese Bretter würden von den Einheimischen aller Altersstufen in dieser Stadt seit jeher benutzt.

Axel Yoder und seine Crew wollten gemeinsam „das Geheimnis, das mit der Entstehung des Snowboardens verbunden ist, enträtseln“. Die Profis lassen sich dabei vollends auf die exotisch anmutende Art des Snowboardens ein. Die Lazboards werden selbst ausprobiert. Sie trinken Tee, tanzen und pflegen gemeinsam mit den Einheimischen dieses entlegenen Schwarzmeerdorfes alte Traditionen.

„Eine Bewegung wurde geboren. Die Menschen von Petran schufen eine eigene Realität“, sagt Alex Yoder und fragt: „Könnte dies das ursprüngliche Snowboard sein?“

Fest steht, das so genannte „Üzme tahtası“ hat seine ursprüngliche Konstruktion praktisch erhalten. Das Board hat ein Seil an der Vorderseite als Griff. Daneben werden auch Skistöcke zum Manövrieren verwendet. Es gibt verschiedene Geschichten darüber, wie alles vor drei Jahrhunderten begonnen habe könnte. Einer Legende nach habe ein Junge eine innovative Art des Waschens von Teppichen im Schnee entwickelt, indem er dabei auf einem Holzbrett stand. Gefeiert wird die Entdeckung bis heute. Jedes Jahr im Januar gibt es ein Fest. Am 26. Januar findet das Petranboard Ski-Festival in Rize bereits zum neunten Mal statt.

Alex Yoder und seine Crew sind nicht die Ersten, die diese Kultur im internationalen Snowboard-Bereich beleuchten. Vor einigen Jahren brachte der Profi-Snowboarder Jeremy Jones ebenfalls einen kurzen Dokumentarfilm auf YouTube mit dem Titel „Jeremy Jones Doing LazBoard in Turkey“ heraus.

Dass es mit dem Thema „Erfindung“ allerdings etwas komplizierter sein könnte, darauf verweist das Snowboard Magazin „pleasure“. Das schreibt: „(…) obwohl Snowboarden eine ziemlich junge Erscheinung ist, sind die Anfänge ziemlich verschwommen. Die Frage, wer Snowboarden erfunden hat, blieb in all der Zeit heftig diskutiert und bis heute scheint man sich auf keine eindeutige Antwort geeinigt zu haben.“ Der Fachpublikation zufolge, seien die „ältesten überlieferten Ursprünge von Snowboarden“ etwa 400 Jahre alt und „stammen aus einer Gegend, von der man es nicht wirklich erwarten würde: diverse abgelegene Dörfer nahe des 3.932 Meter hohen Kaçkar Dağı im Nordosten der Türkei.“

Um 1900 taucht daneben Toni Lenhardt aus Bruck an der Mur in Österreich auf, der den so genannten Monogleiter entwickelt hat. „Bedingt durch den großen Erfolg und den reißenden Absatz entwickelte sich um das neuartige Wintersportgerät bereits Anfang des 20. Jahrhunderts eine kleine Szene, die 1914 in der Steiermark die erste offizielle Weltmeisterschaft austrug.“ 1917 haben dann Vern Wicklund, ein 13-jähriger Schwede, der mit seiner Familie an die Ostküste der Vereinigten Staaten ausgewandert war, zusammen mit zwei Verwandten, den Brüdern Gunnar und Harvey Burgeson, den „Bunker“ erfunden. Eines eine die drei Beispiele: „der fehlende Einfluss auf modernes Snowboarden. Sie alle stehen für eine eigene – in sich geschlossene – Entwicklung, die auf Snowboarden in seiner heutigen Form nie eingewirkt hat.“ Dafür waren andere zuständig.

 

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