USA: Nobelpreisträger Aziz Sancar baut neues türkisches Kulturzentrum

Der türkische Nobelpreisträger Aziz Sancar will ein neues türkisches Kulturzentrum errichten, um den amerikanisch-türkischen Austausch voranzubringen.

Der türkische Nobelpreisträger Aziz Sancar. (Screenshot via YouTube)

Der türkische Nobelpreisträger Aziz Sancar. (Screenshot via YouTube)

Seit langem setzen sich der türkische Nobelpreisträger Aziz Sancar und seine Frau Gwen für eine Verbreitung der türkischen Kultur in ihrer Wahlheimat USA ein. Um die türkische Gemeinschaft zusammenzubringen und die Mitbürger über ihre Kultur zu informieren, betrieben die beiden schon seit längerem ein Kulturzentrum in Chapel Hill.

Mittlerweile seien die Kapazitätsgrenzen von „Carolina Türk Evi“jedoch erreicht, berichtet die Zeitung Tarheel.com. Der Platz reiche nicht aus, um ohne Störungen auch unter der Woche Veranstaltungen durchzuführen. Dem Vorhaben, ein neues Zentrum zu errichten, habe der Chapel Hill Town Council nun am 21. November einstimmig zugestimmt.

Das „Sancar Turkish Cultural and Community Centre“ solle nun in der 1609 E. Franklin St. entstehen und Wohnort für bis zu sechs türkische Lehrer und Schüler bieten. Das Hauptzentrum werde in einem separaten Gebäude liegen, sodass auch unter der Woche kulturelle Veranstaltungen stattfinden könnten. Die Ausstattung umfasse demnach eine Küche, einen 110 Personen fassenden Sitzungssaal, vier Klassenzimmern und eine Bibliothek.

Die Intention für einen solchen Bau liegt für Sancars Frau Gwen auf der Hand. „Als Aziz aus der Türkei in die USA zog, fühlte er sich isoliert, weit weg von seiner Kultur.“ Die Integration der Gemeinschaft in das Zentrum sei ihrer Ansicht nach besonders wichtig. Aziz Sancar habe seinerzeit vor immensen kulturellen Herausforderungen gestanden, nachdem er in die USA gegangen war. Er habe schnell erkannt, dass viele Amerikaner wenig Kenntnisse über die türkische Kultur hatten. „Als ein stolzer Türke dachte er, dass sie mehr über die moderne Türkei wissen sollten, nicht nur das Osmanische Reich, sondern darüber, was die Türkei nach dem Ersten Weltkrieg in Bezug auf Bildung und Wissenschaft geworden sei.“

Ein Appell, das er kurz nach dem Erhalt des Nobelpreises 2015 wiederholte. „Von Mardin bis Kars und Edirne, all unseren Kindern sollte allgemeine und berufliche Bildung angebotenen werden, insbesondere unseren jungen Mädchen. Wenn wir unsere Mädchen nicht erziehen, werden wir die Hälfte unserer Arbeitskräfte verlieren. Ich habe immer wieder unsere Brüder und Schwestern im Osten und Südosten der Türkei darum gebeten, ihre jungen Mädchen zur Schule zu schicken“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Sancar, der an der University of North Carolina zuhause ist.

Junge Mädchen werden oft von ihren Eltern aus der Schule genommen – vor allem im Osten und Südosten der Türkei. Nach Ansicht von Sancar, ein US-Bürger türkischer Herkunft, sollte die Türkei der Wissenschaft mehr Beachtung schenken. Gleichzeitig betonte er, dass die medizinische Ausbildung, die er an der Universität in Istanbul erhalten hätte, wesentlich zu seinem akademischen Fortkommen beigetragen hätte.

Beim Chapel Hill Town Council kommt das Vorhaben gut an. Wie Ratsmitglied Nancy Oates der Zeitung sagte, sei das neue Zentrum ein Zeichen Chapel Hills in Richtung der hier lebenden türkischen Community. In einer zunehmend feindseligen Welt, so Oates, demonstriere die Stadt mittels des Zentrums ihre Akzeptanz der Vielfalt.

Das sieht auch Chapel Hill Town Council Mitglied Jessica Anderson so. Das Zentrum liege auf einem belebten Teil der Franklin Street und biete den türkischen Mitbürgern einen Ort, um Feiertage zu feiern, spezielle Veranstaltungen durchzuführen und ihre Kinder über türkische Geschichte zu unterrichten. „Ich denke, das ist ein großer Gewinn für sie, aber auch für den Rest von uns, die mehr über verschiedene Kulturen lernen wollen.“

Einige Anwohner zeigten sich jedoch skeptisch. Sie befürchteten, dass sich durch das neue Zentrum der Verkehr in der Nachbarschaft deutlich erhöhen würde. Die Sancars gingen auf diese Sorgen ein, indem sie Bäume und Büsche pflanzten, um die Gegend zu verschönern und den Fußgängerverkehr zu begrenzen.

 

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