Online-Petition: Türken wollen Winterzeit zurück

Die dauerhafte Einführung der Sommerzeit schlägt vielen Türken offenbar aufs Gemüt. Via Online-Petition versuchen sie nun den Beschluss der Regierung zu kippen.

Von der dauerhaften Sommerzeit sind nicht alle begeistert. (Foto: Flickr/ Istanbul by Moyan Brenn CC BY 2.0)

Von der dauerhaften Sommerzeit sind nicht alle begeistert. (Foto: Flickr/ Istanbul by Moyan Brenn CC BY 2.0)

Morgens in völliger Dunkelheit auf die Straße. Stets die Uhr im Blick, wann der Geschäftspartner im Ausland erreichbar ist – viele Türken fühlen sich offenbar unwohl mit dem im September beschlossenen Wechsel der Zeitzone. Mehr als 44.000 User haben sich online bereits dagegen ausgesprochen.

Erst im September wurde beschlossen, dass die Türkei künftig dauerhaft bei der Sommerzeit bleibt. Ziel sei eine bessere Nutzung des Tageslichts auch im Winter, hieß es damals in dem im Amtsblatt veröffentlichten Gesetz. Die Uhren wurden am 30. Oktober nicht wie ursprünglich vorgesehen eine Stunde auf die Winterzeit zurückgestellt. Stattdessen gilt seither das ganze Jahr über die Sommerzeit. Die Folge: Wenn in Mitteleuropa Sommerzeit herrscht, ist es in der Türkei damit weiterhin eine Stunde später als in Deutschland. Im Winter wächst der Zeitunterschied dann auf zwei Stunden.

Schon seit September werde diese Entscheidung von Diskussionen begleitet, berichtet die türkische Zeitung Sabah. Die türkischen Rundfunkanstalten führten Interviews mit Menschen, die versuchen, um 6.00 Uhr morgens zur Arbeit zu gehen. Fast alle beklagten sich, dass sie Schwierigkeiten hätten, aufzuwachen, da es zu dunkel sei, und beschwerten sich, dass sie sich nicht sicher fühlten, in völliger Dunkelheit auszugehen. Zusätzlich zu der Kritik der betroffenen Bürgerinnen und Bürger sorgten sich Wirtschaftsexperten, ob die Änderung die Handels- und Finanzbeziehungen zwischen den größten Partnern der Türkei in Europa und Amerika beeinträchtigen würde, da der Zeitunterschied um eine Stunde zunahm.

Das Thema koche gerade derart hoch, dass #Saatler1SaatGeriAlınsın erst am vergangenen Mittwoch zum Trending Topic auf Twitter geworden sei. Auf Change.org bündeln sich die Gegnerstimmen unterdessen in einer eigenen Petition, die sich direkt an das Premierministerium wendet. Mittlerweile gibt es hier über 44.000 Unterzeichner.

Die Winterzeit ist die Normalzeit. Durch die dauerhafte Umstellung auf Sommerzeit wechselte die Türkei de facto die Zeitzone. Sie ist der Koordinierten Weltzeit (UTC) dann immer drei Stunden voraus – statt bislang zwei in der Normalzeit. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte zur bisher jährlich erfolgten Zeitumstellung Ende Oktober: „Ab diesem Jahr wird es keine Sommer- und Winterzeit mehr geben. Das haben wir aufgehoben. Es wird keine Verwirrung mehr geben. Sowohl im Sommer als auch im Winter wird die Zeit gleich sein.“

Daneben ging es der Türkei aber auch um Energieeinsparungen. Durch die Ausnutzung des Tageslichts sollten 740 Millionen US-Dollar pro Jahr eingespart werden, so die Sabah. Der Energieverbrauch solle um 800 Millionen bis eine Milliarde Kilowattstunden Strom sinken, was der jährlichen Stromerzeugung eines mittelständischen Wasserkraftwerks entspräche.

Auch in der türkischen Republik Nordzypern erfolgte die Zeitumstellung nicht. Dort kam es zu Protesten, nachdem ein Schulbus am frühen Morgen mit einem Lastwagen kollidierte und drei Personen – darunter zwei Gymnasiasten – ums Leben kamen und sieben weitere verletzt wurden.

 

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