Der längste Lauf meines Lebens

Galatasaray kann dank eines 3:1-Sieges gegen Gaziantepspor den Abstand auf die Spitze der Süper Lig verkürzen. Im Mittelpunkt der Partie standen neben den Matchwinner Yasin Öztekin und Gökhan Değirmenci vor allem die Sicherheitskräfte. Gazetefutbol hat die Stimmen zum Spiel.

Mit 3:1 gewann Galatasaray gegen Gaziantepspor. Das Ergebnis klingt gut, das Spiel der Löwen war aber vor allem in der ersten Hälfte ausbaufähig. Die Abwehrreihe leistete sich etliche Fehler und zeigte Abstimmungsprobleme. Dennoch konnte der Rekordmeister die Partie für sich entscheiden, was am treffsicheren Yasin Öztekin lag, der alle drei Tore erzielte. Der Matchwinner war sich der Schwächen seiner Mannschaft aber bewusst: „Wir haben heute nicht so gespielt, wie wir es wollten. In der ersten Halbzeit waren wir schlecht, aber wir haben am Ende drei Punkte geholt. In meiner ersten Saison hier haben wir auch nicht immer spielerisch überzeugt, aber wir wurden Meister. … Wir müssen an unseren Schwächen arbeiten, wir spielen jetzt gegen Osmanlıspor. Wir wollen dort gut spielen und drei Punkte holen.“

„Wir haben für die Polizisten gespielt“

Mittelfeldmann Nigel de Jong beschränkte sich nach der Partie auf die Sicherheitskräfte. Nach dem Doppelanschlag an der Vodafone-Arena war dies das bestimmende Thema des Abends: „Wir haben heute einen wichtigen Sieg geholt. Nach den gestrigen Ereignissen war es wichtig heute zu gewinnen. Fußball ist kein Sport der Türken oder der Ausländer; Fußball ist ein Spiel, dass wir alle gemeinsam spielen. Wir haben heute für die Polizisten gespielt und gewonnen. … Meine Familie lebt größtenteils in den Niederlanden. Sie haben sich Sorgen gemacht, aber ich habe sie beruhigt. Wir müssen wieder Freude am Leben haben, es ist viel zu kurz. So etwas kann auch in anderen Ländern passieren. Der Terror soll den Menschen Angst machen, doch man sollte keine Angst haben. Deswegen war es heute mehr als ein Spiel.“

„Der längste Lauf meines Lebens“

Selçuk İnan stand vor der Partie besonders im Fokus. Der Kapitän von Galatasaray hatte sich direkt vor dem Abpfiff mit einem Polizisten auf den Weg zu den Fans gemacht, die dem jungen Mann applaudierten: „Eigentlich möchte ich heute nicht über Fußball sprechen. Das hätte keinen Sinn. … Es war eine schwierige Situation für uns alle. Am Ende sind wir professionelle Fußballer. Nach dem Anpfiff haben wir unsere Arbeit gemacht. … Unsere Fans wollten das so. Als ich mit dem Polizisten zu ihnen lief, waren meine Hände und Beine ganz schwer. Wir waren alle tief getroffen. … Es war vielleicht der längste Lauf meines Lebens.“

„Wir sind noch nicht bei 100 Prozent“

Galatasaray Cheftrainer Jan Olde Riekerink hatte keine leicht Aufgabe, musste er doch für 90 Minuten den Terror aus den Köpfen seiner Spieler bekommen. Das ist mit dem Sieg gelungen: „Es gibt zwei wichtige Punkte heute. Erstens unser Platz in der Tabelle. Wir haben noch drei Punkte Abstand zu unseren Konkurrenten. Zweitens war das wichtig, was wir vor dem Spiel besprochen haben. Wir haben viel über das Kreieren von Chancen gesprochen. Wenn wir uns daran messen, waren wir erfolgreich.“ Die lässt sich auch an den Statistiken ablesen. Galatasaray kam zu 28 Abschlüssen während der Partie, Gegner Gaziantepspor zu sieben. Allerdings übte Riekerink auch Kritik am Spiel seiner Mannschaft: „Wir haben vieles von dem umgesetzt, was wir besprochen haben. Aber wir sind noch nicht bei 100 Prozent. Wir haben in der Defensive viele Positionen zugelassen. … Martin Linnes ist ein sehr professioneller Spieler. Im letzten Spiel hat er auf der Linksverteidigerposition eine gute Leistung gezeigt. Diese Woche konnte er sich auf der rechten Seite beweisen. … Da es in der ersten Halbzeit nicht wie erhofft geklappt hat, haben wir umgestellt.“

Der Mann des Abends?

Trotz der Niederlage gab es auch auf Seiten von Gaziantepspor einen Matchwinner. Keeper Gökhan Değirmenci hielt seine Mannschaft lange im Spiel und verhinderte eine deutlich höhere Niederlage. Mit zwölf Paraden stellte der 27-Jährige einen Bestwert in dieser Saison auf. Es half aber nichts. Für viele Medienvertreter war er dennoch der Mann des Abends. Değirmenci befindet sich schon seit Längerem in Topform. Manche sehen ihn derzeit mindestens gleichwertig mit den beiden anderen türkischen Top-Keepern: Volkan Babacan und Harun Tekin.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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