Die Süper Lig und der Lira-Schock

Mit dem neuen TV-Deal steigen die Einnahmen der Süper Lig-Klubs um durchschnittlich 50%. Allerdings sorgt der Verfall der Lira schon jetzt für schiefe Bilanzen bei den Vereinen. Kayserispor ist möglicherweise nur der Anfang.

Vier Monate lang kein Gehalt bekommen ist auch für einen Fußballer kein Pappenstiel. Auf einmal werden sich gut bezahlte Arbeitskräfte bewusst, dass das Leben keine Einbahnstraße ist. In der Süper Lig kommt es nicht selten vor, dass Vereine über Monate keine Gehälter zahlen. Der unstrukturierte Umgang mit dem Vereinsvermögen ist sicher ein Grund. Ab und an kommt so etwas auch an die Öffentlichkeit. So soll laut gestrigen Medienberichten Kayserispor seit vier Monaten keine Gehälter mehr an seine Spieler bezahlt haben. Der abstiegsbedrohte Liganeuling befinde sich in einer prekären Lage. Die Spieler haben nun ein Signal an den Vorstand gesendet und sich beim TFF beschwert. Der muss nun die Sachlage prüfen. Dabei hilft die Stadt schon so gut es geht. So zahlt der Verein keine Miete für die neue Arena. Dennoch reicht das Geld nicht. Und Kayserispor ist beileibe kein Einzelfall.

Dollarzeichen in den Augen

Dabei hatten viele Vorstände erst vor wenigen Wochen Dollarzeichen in den Augen. 500 Mio. US-Dollar (netto) wird BeInSports über seine Tochter Digitürk künftig pro Saison für die TV-Rechte an der ersten und zweiten türkischen Liga bezahlen (Gazetefutbol berichtete ausführlich hier). Mit einer besseren internationalen Vermarktung, wozu der katarische TV-Konzern zweifelsohne in der Lage ist, und zusätzlichen Einnahmen aus dem Verkauf von mobilen Rechten für Smartphones und Co. kann der Betrag bis auf 600 Mio. US-Dollar pro Saison steigen. Das klingt erst einmal klasse. Doch die Sache hat einen Haken. Das Geld fließt erst ab der kommenden Saison. Bis dahin müssen die Vereine durchhalten.

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Die Frage der Fragen. Was macht der US-Dollar?

Denn im Hier und Jetzt ist die Lage alles andere als glänzend. Die türkische Lira macht den Klubs mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Schon seit dem Jahr 2013 befindet sie sich im Sinkflug, 2016 hat sich das Tempo merklich beschleunigt. Gegenüber dem US-Dollar hat sie etwa ein Fünftel ihres Wertes eingebüßt. Ähnlich dramatisch verlief auch die Entwicklung zum Euro. Damit steigen die Kosten der Klubs massiv an. Denn die Gehälter werden zumeist in Dollar und Euro gezahlt. Und die machen oft rund 70 bis 90 Prozent der Ausgaben aus. Abgesehen von UEFA-Prämien und den TV-Rechten kommen die Einnahmen zumeist in Lira an, sei es für Tickets als auch für Merchandising. Da hilft es auch nicht, kurzfristig gegenzusteuern. So haben Başakşehir und Karabükspor angekündigt, künftig die Gehälter in Lira auszuzahlen. Das hilft weder dem Klub, noch dem Land. Die Spieler werden halt noch mehr Lira bekommen und sie werden das Geld zum größten Teil in Hartwährungen wie dem Dollar tauschen. Und so ist nicht nur unter Funktionären die Frage nach der künftigen Entwicklung des Dollar drängend, wie die massiv steigenden Suchanfragen bei Suchmaschinen im Internet zeigen (siehe Bild). Einigermaßen solide dürfte immerhin Beşiktaş dastehen. Die Adler haben sich schließlich mehr als 33 Mio. Euro in der Gruppenphase der Champions League erspielt. Der größte Teil des Geldes fließt in diesen Wochen zu einem sehr guten Umtauschkurs. Auf weitere Kursverluste müssen sich die Klubs jedenfalls einstellen. Fast alle Devisenanalysten rechnen mit einem weiteren Absturz der Lira und führen als Gründe die anhaltende politische Unsicherheit und die schlechte Handelsbilanz an. Im dritten Quartal ist die türkische Wirtschaft bereits um 1,8% geschrumpft. Da halten sich auch mögliche Sponsoren zurück.

Muss der TFF wieder Vereine retten?

Ganz bitter wird es für jene, die am unteren Ende der Nahrungskette stehen. Vereine wie Kayserispor oder Karabükspor haben neben den TV-Rechten keine Deviseneinnahmen und dennoch jede Menge Ausländer unter Vertrag, die ihr Gehalt in Hartwährung erhalten. So steht es in den Vereinbarungen. Für diese kleinen SüperLigisten ist die aktuelle Entwicklung eine Katastrophe. Und so könnte kommen, was schon einmal vor einigen Jahren im Fall Elazığspor geschah. Der TFF wird im Zweifel einem Verein schon vorab TV-Gelder auszahlen, um eine Pleite zu verhindern. Ob das wie im Fall von Elazığspor auch öffentlich wird, steht in den Sternen.

Probleme nicht unlösbar

Dabei hätte man schon vor Jahren auf diese Entwicklung und die steigenden Gehaltskosten durch eine schwache Lira reagieren können. So ging Galatasaray eine Sponsoring-Partnerschaft mit dem japanischen Konzern Nikon ein. Danach wollte man schnellstens eine japanischen Spieler holen, einen GS-Store in Tokio eröffnen und so die Einnahmen steigern. Davon wurde nichts umgesetzt. Die Pläne dazu versauern also gerade in irgendeiner Schublade. Die Ausweitung des Geschäfts im Ausland muss aber gar nicht in Asien beginnen. Allein in Europa leben einige Millionen Süper Lig-Fans. Aber versuchen Sie mal ein Trikot über die Shop-Webseiten der Vereine aus Deutschland zu bestellen? Trotz einer existierenden Internet-Infrastruktur und guten Lieferdiensten fast unmöglich oder äußerst kompliziert. Beşiktaş-Boss Fikret Orman hat jüngst erstmals eine Auslandsoffensive für seinen Klub angekündigt. Doch die Wörter Japan und China hat der Präsident vermieden. Da wollen derzeit schließlich alle Topvereine Europas hin. Vielmehr nannte er Indonesien und Malaysia als mögliche Zielmärkte. Das ist vielleicht gar nicht so dumm. Dort tummeln sich nur wenige Konkurrenten und Türken genießen in diesen Inselreichen einen Ruf wie Donnerhall. In Indonesien ist beispielsweise Recep Tayyip Erdoğan der mit Abstand beliebteste ausländische Staatschef. Politisch mag man davon halten, was man will. Aber für die Fußballvereine aus der Süper Lig ist das ein Pfund, mit dem sie wuchern können. Nun müssen den Worten auch Taten folgen!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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