Bangladesch: Türkische TV-Serien zerstören heimische Filmindustrie

Die Filmbranche in Bangladesch sieht sich offenbar zunehmend von türkischen TV-Produktionen bedrängt. Nun wird gar ein Verbot einer bestimmten Serie gefordert.

Schauspieler und Regisseure in Bangladesch fordern einem Bericht der türkischen Zeitung Sabah zufolge ein Verbot der TV-Serie um Sultan Suleiman. Sie argumentieren, dass die Sendung der lokalen TV-Industrie schade und obendrein sogar Scheidungen befeuere.

Seit im November 2015 eine synchronisierte Version startete, wurde die Serie über das Leben des osmanischen Königs schnell im ganzen Land bekannt.

Ihre Popularität habe andere Sender dazu veranlasst, ähnliche ausländische Serien in der Primetime laufen zu lassen und so viele lokal produzierte Shows aus dem Programm verbannt.

Der Zeitung zufolge seien die Folgen verheerend. Hiesige Branchenmitarbeiter würden auf Millionen Dollars an ausstehenden Löhnen warten und dutzende von Studios seien bereits gezwungen gewesen zu schließen.

„Es begann alles mit Sultan Suleiman. Diese Serien zerstören unsere Industrie, die Tausende von Schauspieler und TV-Mitarbeiter beschäftigt“, sagt Gazi Rakayet, Chef der bangladeschischen Regisseur Vereinigung gegenüber AFP. „In einer Umfrage haben wir festgestellt, dass die Hälfte aller Studios wegen Arbeitsmangels geschlossen worden sind.“ Hunderte von Schauspielern seien betroffen, auch die Top-Stars hätten rund 50 Prozent ihres Einkommens verloren. Rakayet schätzt, dass sich der Gesamtverlust an Einkommen für Schauspieler auf rund acht Millionen Dollar pro Jahr beläuft.

Die Regierung habe bislang noch nicht reagiert. Auf der anderen Seite hätten aber mehrere Stimmen die ausländischen Serien verteidigt. Sie sagen, die Zuschauer würden zu den türkischen Serien umschalten, weil die lokalen Dramen einfach zu schlecht wären.

Andere würden jedoch anführen, dass die Dramen die hiesigen Familienwerte in der konservativen muslimischen Mehrheitsnation untergraben. „Sex ist in Sultan Suleiman und anderen ausländischen Serien sehr präsent“, sagt etwa der Schauspieler Mamunur Rashid, der die Federation of TV Professionals Organisation leitet. „Fernsehen ist eine Familienunterhaltung. Die Popularität kann nicht der einzige Maßstab sein“, sagte Rashid gegenüber AFP. Seiner Ansicht nach würden die Programme auch „soziale Probleme“ schaffen und mit ihren Geschichten über wechselnde Partner und außereheliche Affären die Scheidungsrate befeuern.

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