Deutscher Beethoven-Preis geht an Fazil Say

Der türkische Komponist Fazil Say erhält den diesjährigen Beethoven-Preis. Für Say ist Beethoven nicht nur ein Teil der deutschen, sondern auch der türkischen Kultur.

Der Istanbuler Komponist und Pianist Fazil Say. (Foto: dpa)

Der Istanbuler Komponist und Pianist Fazil Say. (Foto: dpa)

Der diesjährige Beethovenpreis der Beethoven Academy geht an den türkischen Pianisten Fazil Say. Anlässlich der Preisverleihung wird am 17. Dezember in der Kreuzkirche Bonn ein Festkonzert stattfinden.

Say studierte von 1992 bis 1995 als an der Universität der Künste Berlin. Zuvor war er Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf.

Deshalb hat auch der DAAD angesichts der Preisverleihung eine Mitteilung veröffentlicht. „Der DAAD freut sich daher besonders, unter seinen ehemaligen Stipendiaten einen international bekannten Konzertpianisten wie Fazil Say zu haben, der sich mit seinem Renommee und seinen internationalen Verbindungen für den Kulturdialog einsetzt (…) Mit dem Festkonzert in Bonn, bei dem Künstlerinnen und Künstler verschiedener Kulturräume gemeinsam auftreten, setzt Fazil Say gemeinsam mit der einladenden Beethoven Academy ein deutliches Zeichen für das lebendige Miteinander in politisch unruhigen Zeiten“, so DAAD-Präsidentin Prof. Margret Wintermantel.

Der Internationale Beethovenpreis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion wird getragen von der Beethoven Academy. Schirmherr ist Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller. Ins Leben gerufen hat ihn der Intendant der Beethoven Academy Torsten Schreiber, sowie der Präsident des Festivals Junger Künstler Bayreuth, Andreas Loesch, der ebenfalls Gesellschafter der Academy ist. Weitere Gesellschafterin der Beethoven Academy ist u.a. auch die Klavierlegende Martha Argerich.

In einem Interview mit den Deutsch Türkischen Nachrichten sagte Say, dass man als Komponist offen sein muss für jede Art von Musik. „Als Komponist muss man offen für alles sein. Von japanischer Musik, über Simbabwe-Jazz, kubanischem Klavier bis zur indischen Tabla oder der Sitar und der Electronic Avantgarde. Vor allem volkstümliche Musik ist wichtig. Ich selbst höre gern Jazz. Zurzeit auch sehr viel Pop. Sting und Björk und James Brown. Die Frage ist immer, ob es sich dabei wirklich um Musik handelt, um Musik, die von Musikern gemacht wird. Wenn sie nur einem kommerziellen Zweck dient, hört man das sehr schnell. Ein gutes Ohr hört das“, so Say.

Er sagt, dass in der Türkei vor allem die jungen Menschen interessiert seien an klassischer Musik. In Europa sei sein Publikum durchschnittlich älter. Sy wörtlich: „Mein Publikum ist relativ jung, gebildet. Jünger als mein europäisches Publikum. Ich habe auch Konzerte in anatolischen Städten gegeben. In einigen Städten war das das erste Konzert überhaupt. Das Interesse war sehr groß. Ich habe auch einigen jungen Menschen ein Klavier geschenkt. Die haben sich unglaublich gefreut! Die Menschen haben eine Sehnsucht nach kulturellen Erlebnissen. Der faule Staat tut allerdings seit 70 Jahren nichts in diesen Regionen der Türkei. Östlich von Ankara gibt es keine Orchester oder Opernhäuser mehr.“

Für den türkischen Komponisten ist Beethoven nicht nur ein Teil der deutschen, sondern auch der türkischen Kultur. „Beethoven zum Beispiel ist nicht wirklich nur ein Deutscher. Er ist mehr. Er ist universal. Er gehört nicht nur Deutschland. Er gehört ebenso gut Neuseeland oder Brasilien oder zur Türkei“, so Say im Interview mit der Frankfurter Rundschau.

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