Eisige Kälte: Istanbuler Einkaufszentrum öffnet Türen für Straßenhunde

Die unwirtlichen Temperaturen in der Türkei machen nicht nur den Menschen zu schaffen. Ein Einkaufszentrum nimmt sich nun den Streunern an und gibt ihnen ein warmes Plätzchen für die Nacht.

Das Foto des Users Balikadam geht derzeit um die Welt. Es zeigt Hunde, die in Decken eingekuschelt auf dem Boden eines Einkaufszentrums liegen. Vor und neben ihnen sind einige Häufchen Trockenfutter. Die Hunde schlafen friedlich. Von draußen blitzt die Kälte herein.

Die Szenerie spielt sich in einem Einkaufszentrum im Istanbuler Stadtteil Bakırköy ab. Die Verantwortlichen haben dort die Türen für herrenlose Hunde geöffnet, damit diese die Nacht nicht bei Eiseskälte im Freien verbringen müssen, berichtet die Internetseite One Green Planet. Hundefreunde hätten überdies Decken für die Vierbeiner gespendet. Auch Futter sei gebracht worden. Einer der Helfer erklärt seine Motivation gegenüber CNN Türk wie folgt: „Wenn wir so viel wie möglich helfen, werden alle streunenden Tiere in guter Verfassung sein. Die Straßentiere brauchen Hilfe auf der ganzen Welt.“

Wie wichtig diese Aktion tatsächlich ist, erklärt auch One Green Planet: „Diese zusätzlichen Maßnahmen während der Wintermonate stellen sicher, dass unsere pelzigen Freunde sicher und warm bleiben. Am wichtigsten ist aber: Bitte lassen Sie nie Ihren Hund oder Katze im Freien, wenn die Temperaturen fallen. Egal welche Temperatur herrscht, der kalte Wind kann das Leben eines Haustieres gefährden.“ Haustiere seien empfindlich gegenüber starker Erkältung und bei extremen Kälteeinbrüchen anfällig für Frostbeulen und Unterkühlung. Die Haut auf Nasen, Ohren und Pfoten könne schnell einfrieren und erleide dauerhafte Schäden. Es sei darüber hinaus wichtig, dass der Begleiter immer Zugang zu frischem, sauberem Wasser habe.

In Istanbul herrschte die vergangenen Tage Ausnahmezustand. Eine Kaltfront hatte am Freitag zu einem Temperatursturz in Istanbul geführt. Am Freitagabend setzten dann Sturm und heftiger Schneefall ein. Der Straßenverkehr in der hügeligen Stadt kam zeitweise zum Stillstand. Die Stadt versank regelrecht im Schnee. Mit bis zu 1,20 Metern Schnee hatte Istanbul am Wochenende dann die stärksten Schneefälle seit sieben Jahren erlebt.

„Nach Schätzungen der Tierschutzgruppe SHKD sollen alleine auf der Europäischen Seite Istanbuls bis zu 100.000 Hunde leben, für die meisten dieser Hunde ist es ein alltäglicher Kampf ums Überleben“, so die Tierschutzorganisation Peta.

Auch die Deutsch Türkischen Nachrichten berichteten bereits über die Situation der Streuner. Nach Ansicht der „Animal Protection Group – Arbeitsgruppe für Tierrechte e.V.“ sei es auch im 21. Jahrhundert noch nicht gelungen, eine den türkischen Gegebenheiten entsprechende Strategie zum Erhalt des Lebens der Straßentiere zu entwickeln. Ganz im Gegenteil, wie Mitglied Adile Pannicke in einem Beitrag auf der Seite des in Bitterfeld ansäßigen Vereins warnt, sei das Elend der Straßentiere unbeschreiblich groß. „Viele Kommunalverwaltungen haben keine Tierheime und setzen die Straßentiere in den Wäldern und unbewohnte Gebiete, um Istanbul herum, aus, anstelle ihren auferlegten, gesetzlichen Pflichten, zum Erhalt des Tierlebens, nachzukommen“, beschreibt sie die fatale Situation in der Türkei. „Eine große Anzahl der Straßentiere, die entfernt von Istanbul in dörflichen Gebieten ausgesetzt sind, werden qualvoll getötet.“

Um das Leid der ausgesetzten Tiere wenigstens etwas zu mildern, unterstützt die Arbeitsgruppe türkische Tierschützer, die in die abgelegenen und unbewohnten Gebiete fahren, um dort für das Nötigste zu sorgen. „Diese Tiere haben keinen Schutz gegen schlechte Witterung und haben auch sonste keine Möglichkeit sich zu ernähren“, fasst die Arbeitsgruppe zusammen. Die Helfer, kochen für die Tiere oder kaufen Trockenfutter, füttern die Hunde, bauen ihnen Hütten aus Paletten, damit sie im Winter nicht erfrieren (hier gibt es Videos).

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